Wien - Die Arbeitslosigkeit in Österreich wird im Jänner dramatisch ansteigen. Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Arbeiterkammer(AK) rechnen mit bis zu 320.000 Jobsuchende. Geht man davon aus, dass die Jänner-Arbeitslosigkeit gegenüber Dezember im Schnitt um 30.000 bis 40.000 Betroffene zulegt, sei heuer im Jänner mit einem Rekord zu rechnen, so AK-Arbeitsmarktexperte Kai Biehl zur APA. Dazu kommen noch geschätzte 35.000 Arbeitssuchende, die sich in Schulung befinden und daher nicht auf der offiziellen Arbeitslosenstatistik aufscheinen. Rechnet mein beide Werte zusammen, würde die Zahl der Jobsuchenden auf den dramatischen Wert von 360.000 hinaufschnellen.

Wifo-Arbeitsmarkt-Expertin Gudrun Biffl geht ebenfalls von einem Anstieg der Arbeitslosen im Jänner auf 320.000 Betroffene aus. Der starke Anstieg im Dezember um 5,6 Prozent oder um rund 15.000 auf 282.691 Jobsuchende sei trotz schwacher Wirtschaftslage nicht erwartet worden. Sie hätte mit einem Wendepunkt gerechnet, so Biffl am Freitag im Ö1-Morgenjournal. In der zweiten Jahreshälfte 2003 sei jedoch mit einer Verbesserung am Arbeitsmarkt zu rechnen, so Biffl. Es sei aber falsch, nur auf eine konjunkturelle Verbesserung zu warten, diese werde nicht ausreichen. Als Chance nennt Biffl den Ausbau des so genannten "Dritten Sektors" zwischen Privatwirtschaft und öffentlichem Bereich, der nicht gewinnorientiert arbeitet aber privatwirtschaftlich orientiert ist. Hier könnten neue Jobs geschaffen werden.

Anstieg 2003

Die schwache Konjunktur hat sich im abgelaufenen Jahr 2002 deutlich auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Im Jahresschnitt waren im Vorjahr 232.418 Österreicher ohne Job, das waren um 14 Prozent oder um 28.535 Arbeitslose mehr als im vorangegangenen Jahr. Gleichzeitig ging die Beschäftigung um Kindergeldbezieherinnen und Präsentdiener bereinigt zurück. So meldet das Wirtschaftsministerium für Dezember im Jahresvergleich zwar ein Beschäftigungsplus um 0,46 Prozent oder um 14.261 Personen auf 3,114.835 unselbstständig Beschäftigte. Rechnet man allerdings die knapp 100.000 Kindergeldbezieherinnen und die Präsenzdienter heraus, ging die Beschäftigung im Dezember um rund 26.000 Personen zurück.

Der Dezember hat Österreich mit 8,3 Prozent die höchste Arbeitslosenquote seit 1953 beschert. Für das Gesamtjahr 2002 erwarten die Wirtschaftsforscher eine Jahresquote von 6,8 Prozent, die heuer auf 7,0 Prozent ansteigen wird und 2004 auf 6,7 Prozent zurückgehen soll.(APA)