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Wien - Der steigende Ölpreis könnte den Kunden der Wien Energie höhere Energierechnungen bescheren. Man habe große Sorge, wie sich der Ölpreis entwickle. Explodiere er weiter, so könnte dies auch Auswirkungen auf den Gaspreis haben, so Wien Energie-Geschäftsführer und Wiener Stadtwerke Holding-Vorstand Michael Obentraut am Freitag bei einer Pressekonferenz. Kalkuliert werde derzeit mit einem Einstandspreis von 24 Dollar je Fass. Ein Barrel OPEC-Öl kostete gestern 30,05 Dollar.

Generell zögen die Energiepreise in Europa derzeit an, so Obentraut. Ob und in welchem Ausmaß es zu Preiserhöhungen kommen könnte, sei derzeit aber nicht abschätzbar. Der Gaspreis sei mit einer gewissen Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt.

Keine Preiserhöhungen bei Öffis

Keine Tariferhöhungen planen die Wiener Stadtwerke derzeit für die öffentlichen Verkehrsmittel, erklärte der seit Jahresbeginn amtierende Stadtwerke-Generaldirektor Günther Grois. Die Preiserhöhungen des Vorjahres sollten für die nächsten Jahre ausreichen, wenn es die wirtschaftliche Entwicklung zulasse. Zu den großen Vorhaben für das heurige Jahr zählt der Beginn des Baus der Verlängerung der U 2, der im Mai starten soll. Bis zur Fußball Europameisterschaft im Jahr 2008 soll die Anbindung des Ernst Happel-Stadions fertiggestellt sein.

Zur geplanten EU-weiten Liberalisierung des öffentlichen Nahverkehrs sagte Grois, es müssten Lösungen gefunden werden, mit denen eine "völlige Zerfledderung" in Ballungsräumen vermieden werden könne. Es sei wichtig mit größter Sorgfalt vorzugehen, um nicht Systeme zu zerstören.

Personalabbau wird fortgesetzt

"Kontinuierlich fortgesetzt" werde der Personalabbau bei den Wiener Stadtwerken, wobei dies vor allem durch natürlichen Abgang erfolgen soll, so Wiener Stadtwerke Holding-Vorstand Felix Joklik. Derzeit sind im Konzern der Wiener Stadtwerke, zu dem unter anderem Wien Energie (Wienstrom, Wiengas, Fernwärme Wien sowie die Beteiligung an der EnergieAllianz Austria Gmbh), Wiener Linien, Bestattung Wien und die Beteiligungsholding BMG Wiener Stadtwerke gehören, 14.912 Mitarbeiter (per Ende November 2002) beschäftigt. In den vergangenen drei Jahren sank der Personalstand um 900 Personen, damit habe bereits ein beachtlicher Einsparungseffekt erzielt werden können. Die meisten Beschäftigten haben die Wiener Linien mit rund 8.300, bei der Wienstrom sind es 3.450 und bei Wiengas und Fernwärme je rund 1.100.

Neueinstellungen, die es seit 1. Juli 2001 nur mehr über den Stadtwerke-Kollektivvertrag (KV) gibt, wird es heuer vor allem bei den Wiener Linien geben. Laut Joklik sind derzeit rund 95 Prozent der Beschäftigten öffentlich Bedienstete. Das Lebenseinkommen der KV-Beschäftigten liege um rund 13 Prozent unter jenem der Beamten. Zwar sind derzeit rund 20 Prozent der Beamten der Wiener Stadtwerke zwischen 50 und 60 Jahre alt, das Nebeneinander von "alten" und "neuen" Beschäftigten werde es aber noch sehr lange Zeit geben, so Joklik. Von einem Frühpensionierungsmodell der Stadt Wien, das den vorzeitigen Ruhestand ab 55 Jahren bei Organisationsänderung vorsieht, seien bisher 250 Mitarbeiter betroffen, vor allem bei der Wienstrom. Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter der Wiener Stadtwerke liegt zwischen 57 und 58 Jahren.

Vorstand verkleinert

Der konsolidierte Konzernumsatz der Wiener Stadtwerke lag 2001 bei 1,82 Mrd. Euro, davon entfielen 1,5 Mrd. Euro auf den Energiebereich. Insgesamt werden von der Holding 55 Beteiligungen gehalten, darunter auch 10,2 Prozent am Verbund, 9,38 Prozent an der Energie AG Oberösterreich, 18,27 Prozent an der UTA-Mehrheitseigentümerin VTÖB, 50 Prozent an der Master-Talk Austria und 47,19 Prozent an der Teerag Asdag.

Der Wiener Stadtwerke Holding-Vorstand wurde nach dem Ausscheiden von Generaldirektor Karl Skyba per Jahresbeginn 2003 auf drei Personen verkleinert. Der neue Generaldirektor Günther Grois bleibt zunächst auch Vorsitzender der Geschäftsführung der Wiener Linien und ist auch für die Beteiligungen zuständig. Vorstand Michael Obentraut ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Wien Energie und auch für Finanzen zuständig. Felix Joklik obliegt der Personalbereich.

"Strategische Funktion"

Die Wiener Stadtwerke Holding AG werde sich in Zukunft auf eine "strategische Funktion" zurückziehen, betonte Grois bei der heutigen Pressekonferenz. Oberste Prämisse sei weiterhin die Entwicklung der Stadtwerke als Infrastrukturunternehmen der Stadt Wien.

Im Energiebereich geprüft wird derzeit die Errichtung eines Biomassekraftwerkes in Simmering mit einer Leistung von rund 40 MW. Als Investitionvolumen würden rund 36 Mio. Euro veranschlagt, so Obentraut. Eine Entscheidung soll noch im heurigen Jahr fallen.(APA)