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"Sofortiger Rücktritt Saddams ist der einzige Weg, weitere Gewalt zu vermeiden."

foto: reuters/salem

In der betroffenen Region besinnt man sich auf die anscheinend einzige Möglichkeit, einen US-Krieg gegen den Irak vermeiden zu können: Saddam Hussein muss freiwillig gehen.

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Bagdad/Washington - Saddam Hussein soll zurücktreten und damit einen Krieg verhindern. Laut Financial Times wollen sich die Regierungen arabischer Länder dafür einsetzen, aber auch eine Gruppe arabischer Intellektueller hat einen Appell an die arabische Öffentlichkeit vorbereitet, in dem diese aufgefordert werden soll, durch Druck auf Saddam dessen Abgang zu erzwingen: "Der sofortige Rücktritt Saddams, dessen Herrschaft über drei Jahrzehnte ein Albtraum für den Irak und die arabische Welt war, ist der einzige Weg, weitere Gewalt zu vermeiden."

In der FT sagt ein "arabischer Offizieller", Saddam Husseins Gang ins Exil wäre eine Lösung für die Krise. Dieser denke noch nicht daran, aber wenn die Amerikaner diese Alternative zum Krieg ernst nähmen, könnte sich das ändern. Ein mögliches Exilland wurde nicht genannt.

Die Meldungen folgen auf einen Artikel der iranischen Tageszeitung Entekhab, nach dem der deutsche Außenminister Joschka Fischer seinem iranischen Amtskollegen Kamal Kharrazi in einem Telefongespräch mitgeteilt habe, dass die USA in Abstimmung mit Russland einen Sturz Saddams ohne Krieg planten. Der Bericht wurde jedoch sowohl von deutscher als auch iranischer Seite dementiert.

Der Sprecher der US-Außenministeriums, Richard Boucher, machte in einer ersten Reaktion auf die neue Debatte darauf aufmerksam, dass sich sowohl Außenminister Colin Powell als auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld für einen Rücktritt Saddams ausgesprochen hätten. Es gebe aber seines Wissens keine aktuellen Initiativen in diese Richtung.

Elf Jahre sind genug

Indes warnte US-Präsident George W. Bush die irakische Führung am Donnerstag, dass der "Tag der Abrechnung" näher rücke. Bush sagte vor Journalisten auf seiner Ranch im texanischen Crawford, seit elf Jahren habe die Welt sich mit Saddam Hussein in der Abrüstungsfrage auseinander gesetzt. Er hoffe, Saddam sei klar, dass es den USA jetzt ernst sei.

Die UNO-Inspektoren setzten am Freitag im Irak ihre Waffenkontrollbesuche fort. Nach den Worten des irakischen Vizepremiers Tarik Aziz bereiten die USA einen Angriff auf sein Land vor, ganz gleich, ob es Massenvernichtungewaffen besitze oder nicht. Die irakische Zeitung Al-Irak schrieb am Freitag, Bush sei der "Herr der Bösewichte auf der Erde, einen Titel, den er sich, um ehrlich zu sein, mit Sharon teilt".

In und um die Stützpunkte der USA und Großbritanniens im östlichen Mittelmeer gibt es seit Jahresbeginn intensive militärische Bewegungen. Wie der zypriotische Regierungssprecher Michalis Papapetrou am Freitag bekannt gab, sollen die beiden britischen Stützpunkte auf Zypern für die logistische Unterstützung eines möglichen Irak-Krieges genutzt werden. "Die zypriotische Regierung wurde bereits informiert und hat dem zugestimmt", sagte der Sprecher im Fernsehen.

Nach Berichten des zypriotischen Rundfunks sind auf dem Flughafen des Stützpunktes Akrotiri nahe der zyprischen Hafenstadt Limassol bereits mehrere schwere britische Transportmaschinen gelandet, die zusätzliches Personal, Munition und Hubschrauber nach Zypern brachten. Der US-Flugzeugträger "Harry S. Truman" liegt derweil in der Bucht von Souda auf Kreta. Der Stützpunkt ist der größte im östlichen Mittelmeer und gilt als letzter Stopp vor einer möglichen Reise durch den Suez-Kanal zum Roten Meer. (DER STANDARD, Printausgabe, 4./5./6.1.2003)