Wien - Der Wiener Grünen-Klubchef Christoph Chorherr drängt seine Partei noch einmal dazu, mit der ÖVP konkrete Verhandlungen aufzunehmen: "Gewählt wird man, damit man Inhalte umsetzt. Gerade an einem Tag, wo in allen Skigebieten kein Schnee liegt und selbst die größten Verharmloser zugeben, dass der Treibhauseffekt längt in Gang ist, warten die Leute auf eine grüne Partei. Oder hat die ÖVP, hat die SPÖ, hat die FPÖ etwas zu bieten, was auch nur in Ansätzen nachhaltiger Politik entspricht? Nein."

Im STANDARD-Gespräch sagt Chorherr, dass man der ÖVP ein klares Nachhaltigkeitspaket vorgeben müsse. Dessen Kernpunkte:
[] Ein Programm, das für alle Ölkraftwerke fixiert, dass sie in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren auf nachwachsende Energie (Biomasse) umgestellt werden.
[] Im selben Zeitraum müssten alle Ein- und Zweifamilienhäuser, deren Ölheizung zur Erneuerung ansteht, ebenfalls auf Biomasse umgestellt werden, was über eine Umlenkung von Fördermitteln erreicht werden könnte.
[] Bei Neubauten dürften nur noch so genannte "Nullenergiehäuser" gefördert werden.
[] Biogas müsste zu ähnlichen Bedingungen ins Gasnetz eingespeist werden können wie Ökostrom ins Stromnetz.
[] Und schließlich müsste eine stark ökologisch lenkende Steuerreform fixiert werden.

Energiepflanzen

All das würde Arbeitsplätze sichern und neu schaffen, sowie der - in Österreich vorhandenen, aber kaum geförderten - alternativen Energietechnik einen entscheidenden Schub geben. In der ÖVP gibt es dazu durchaus Anknüpfungspunkte: So hat der (von Erwin Pröll präsidierte) Club Niederösterreich erst diese Woche eine Broschüre versandt, in der "Energiegetreide" für die Wärmegewinnung propagiert wird. Es zeigt sich, dass etwa Körnermais und Futtergerste um 25 bis 28 Prozent billiger sind als Öl - und dass der Anbau von Energiegetreide seit zwei Jahren sogar von der EU gefördert würde.

Chorherr will die ÖVP auf solche Programme festlegen - "natürlich mit dem Ziel, dass das von einem grünen Minister umgesetzt wird. Warum sollten wir die Lorbeeren dafür einem Minister Molterer überlassen?"
(DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2003)