Bild nicht mehr verfügbar.

Seit dem Neujahrstag ist der deutsche Handel dazu verpflichtet, Dosen und Einwegflaschen gegen Pfand zu verkaufen und zurück zu nehmen. Der Inhalt und die Größe der Einwegverpackungen bestimmt, auf welche Dosen und Flaschen Pfand erhoben wird und wieviel.

Foto: dpa/May

Wien - "Wenn in Österreich der Mehrweganteil auf unter 20 Prozent sinkt, müssen wir uns auch eine Maßnahme überlegen", sagt Leopold Zahrer, Sektionschef für Umwelttechnik und Abfallmanagement, im Gespräch mit dem STANDARD. Könnte das ein Dosenpfand nach deutschem Vorbild sein? "Vielleicht", so der hohe Beamte des Umweltministeriums. Allerdings sehe er die "Gefahr, dass durch ein Pfandsystem auf Einweggebinde der Mehrweganteil noch weiter zurückgeht". Abzuwarten sei, was in Deutschland passiere, wenn ab Oktober 2003 ein landesweit einheitliches Rücknahmesystem für Dosen und Pet-Flaschen zu laufen beginnt. "Wir beobachten das genau."

Bisher haben zwei SP-Landespolitiker auch in Österreich ein Pfand nach deutschem Vorbild gefordert. Nach dem Salzburger Umweltlandesrat Othmar Raus sagte am Freitag die Wiener Umweltstadträtin Isabella Kossina, sie wolle ein Pfand auf sämtliche Verpackungen - in Deutschland sind beispielsweise Milchpackerln oder Fruchtsäfte nicht von der Verordnung erfasst - sowie ein bundeseinheitliches Rücknahmesystem einführen.

"Freiwillige Selbstverpflichtung"

In Österreich initiierte der zuständige Minister Wilhelm Molterer vor zwei Jahren eine "freiwillige Selbstverpflichtung" des Handels und der Getränkeindustrie, wonach Mehrwegsysteme erhalten werden sollten. Doch die Umsetzungsberichte der Wirtschaftskammer - der aktuellste behandelt die Jahre 2000 und 2001 - zeigt, dass der Trend in Richtung Einweg geht. Über alle Getränke gerechnet sank der Mehrweganteil von 59,2 auf 56,4 Prozent.

Die Grünen nennen diese Statistik "geschönt", weil auch Großgebinde wie Fass, Tank und Container in die Mehrwegquote eingerechnet werden, so Umweltsprecherin Eva Glawischnig. Sie sieht außerdem "einen drastischen Einbruch im Laufe des Jahres 2002". Als Beleg dafür bringt sie Zahlen der Marktforschung von ACNielsen (Lebensmittelhandel ohne Hofer und Lidl). Demnach sei der Anteil von Mehrweg bei Mineralwasser in diesem Markt bereits auf 32 Prozent gefallen. Grüne Alternative: Konkrete Mehrwegquoten plus Abgabe auf Einwegverpackungen, die eingehoben wird, sollten die Quoten verfehlt werden.

Bei der Altstoff Recycling Austria (ARA), den Sammlern der Verpackungen hierzulande, bezweifelt man die abfallpolitische Wirksamkeit von einem Pfand auf Einweggebinde. Vorstand Christian Stiglitz: "Die Theorie, ein Einwegpfand lenke in Richtung Mehrweg, ist nicht bewiesen." Der Handel werde zwei Rücknahmesysteme möglicherweise nicht führen wollen und auf das Mehrwegangebot verzichten. Die ARA-Recyclingquote liege derzeit bei Pet-Flaschen bei 75 Prozent, mit einem Pfandsystem könne man eventuell auf 80 steigern. (Leo Szemeliker, Der Standard, Printausgabe, 04.12.2002)