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Die deutschen Konsumenten lassen sich selbst von großzügigen Rabattaktionen nicht zum Shoppen animieren. 80 Prozent wollen heuer noch weniger für den Konsum ausgeben.

Foto: dpa/Jensen

Hannover - Höhere Steuern und Abgaben und die unsichere Wirtschaftslage bringen die Deutschen dazu, jeden Euro zweimal umzudrehen: Acht von zehn Befragten wollen ihren privaten Konsum in diesem Jahr einschränken, ergab eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des Finanzdienstleisters AWD. In den neuen deutschen Bundesländern seien es sogar 87 Prozent.

Leidtragende des Konsumverzichts werden der Umfrage zufolge in erster Linie die Reisebüros und -veranstalter sein: 62 Prozent gaben an, bei Urlaubsreisen sparen oder sogar ganz auf das Reisen verzichten zu wollen. Die finanzielle Zukunftssicherung stehe dagegen hoch im Kurs.

Mehr Geld auf die hohe Kante zu legen

Gut jeder zweite Deutsche plane, mehr Geld als bisher auf die hohe Kante zu legen. Drei von vier Befragten gaben an, in diesem Jahr mindestens ebenso viel für ihre Altersvorsorge und für Versicherungen ausgeben zu wollen wie 2002.
Der Pessimismus der deutschen Verbraucher lässt auch Hoffnungen auf eine stärkere Binnenkonjunktur ins Leere laufen. Vor allem die höheren Steuern, der schwache Arbeitsmarkt und der drohende Krieg im Irak drückten die Stimmung der Konsumenten, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit.

Der monatlich von der GfK berechnete Konsumklimaindikator sank im Jänner auf 4,5 Punkte, nach 5,1 Punkten im Dezember. Eine nachhaltige Verbesserung des Konsumklimas sei nicht vor der zweiten Jahreshälfte zu erwarten, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Anstehende zusätzliche finanzielle Belastungen der Haushalte sowie die Furcht vor Arbeitslosigkeit würden die Verbraucher davon abhalten, ihre ausgeprägte Kaufzurückhaltung aufzugeben.

Streiks im öffentlichen Dienst

Streiks im öffentlichen Dienst könnten der Stimmung noch einen zusätzlichen Dämpfer verpassen. Einzig eine stabile Preisentwicklung mit Inflationsraten von einem Prozent könnte stabilisierend auf die Kaufneigung wirken.
Der deutsche Einzelhandel hat seine Umsatzprognose für 2003 erneut gesenkt und rechnet nun mit einem nominalen Erlösminus von 1,5 Prozent, teilte der Hauptverband der Einzelhändler am Freitag mit. Ende Oktober war der Verband noch von einem Rückgang von 0,5 Prozent ausgegangen. Der Verband hatte 2002 als das schwächste Jahr der Nachkriegszeit bezeichnet und rechnet mit einem Umsatzminus von 2,5 bis drei Prozent für das Vorjahr.

4,5 Millionen ohne Job

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Dezember drastisch gestiegen und könnte bereits im Jänner die Marke von 4,5 Mio. übersteigen, schätzt Rainer Schmidt, der Arbeitsmarktexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Er begründet seine pessimistische Erwartung mit dem frühzeitige und voraussichtlich anhaltenden Winterwetter vor allem in Ostdeutschland sowie mit der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung. (Reuters, AFP; Der Standard, Printausgabe, 04.12.2002)