Still aus dem Filmloop "Casting", in Szene gesetzt von der jungen deutschen Video-Künstlerin Anne Speier.

Foto: mezzanin

Es gehört ja eigentlich zum Wesen der Kunst, das Blicke bearbeitet werden. "Bearbeitete Blicke" die Schau dreier junger Videokünstlerinnen, führt dennoch einen Schritt weiter. Obwohl die Sache relativ unspektakulär abgehen kann wie am Video der US-Amerikanerin Rebecca Carter. Die Close-Up-Inserts bei ihren badenden Frauen, quasi als geteilter Blick, sind bei Nachrichtensendern seit Jahren gang und gäbe. Konzep-tueller geht es beim Video der Wienerin Flora Watzal "Vierecke I" zu, wo die Kamera auf eine markierte Wasseroberfläche schaut, welche zur bewegten Bildoberfläche mutiert. Eine Version des Bilds als "Fenster zur Welt". Das elaborierteste Werk liefert die in Wien studierende Deutsche Anne Speier. Ihre Installation "Casting" bringt in einem Loop Innenaufnahmen einer Wohnung aus verschiedensten Perspektiven. Unterschiedliche Akteurinnen wiederholen eine Szene in einigen Varianten. Wie eine Anreihung neusachlicher Fotostills bleiben sie in diesem künstlichen Raum gefangen - absurd, fremd und schön. Allesamt ein gelungenes, mutiges Experiment. (dok/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5./6.1.2003)