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Foto: APA/AFP/Daniel Janin

Paris/Brüssel - Wegen der durch das Wrack des Tankers "Prestige" verursachten Ölpest müssen Feinschmecker seit Montag auf den Genuss von Austern aus dem weltberühmten Becken von Arcachon verzichten. Nachdem eine Ölverseuchung in dem Becken nachgewiesen wurde, verboten die französischen Behörden vorsorglich den Verkauf der Muscheltiere. EU-Kommissar Franz Fischler sagte den Austernfischern Entschädigung zu.

Die französische Umweltministerin Roselyne Bachelot kündigte an, sie werde beim Erdöl-Entschädigungsfonds Fipol die Erstattung der Gesamtkosten beantragen. Allein im Departement Vendee werden für eine Dauer von drei Monaten vierhundert bezahlte Hilfskräfte gesucht.

Die Austernfischer im Becken von Arcachon sprachen nach dem behördlichen Verbot von einer "Katastrophe". In dem Binnenmeer, das 50 Kilometer von Bordeaux an der Atlantikküste liegt, werden jährlich 12.000 Tonnen Austern eingesammelt. Von der Austernfischerei hängen direkt tausend Beschäftigte ab. Sie müssen damit rechnen, dass das Öl aus dem "Prestige"-Wrack über Monate an die französische Küste geschwemmt wird.

Auster-Untersuchung

Ob die Austern durch das Öl verschmutzt werden, soll nun wissenschaftlich geprüft werden. Mitte der vergangenen Woche hatten die ersten Ölklumpen die französische Küste erreicht. Die "Prestige" war am 19. November vor Galicien gesunken und hatte weite Abschnitte der nordspanischen Küste verseucht. Die Strömung und der stete Südwestwind treiben die Ölteppiche auch nach Frankreich.

Fischer und Austernfischer an der französischen Atlantikküste können bei Schäden durch die jüngste Ölpest zumindest mit Unterstützung aus der EU-Kasse rechnen, wie ein Sprecher von EU-Agrarkommissar Fischler sagte. Im vergangenen Monat hatte die EU-Kommission wegen der Ölpest für die Fischer an der spanischen Nordküste bereits über 110 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Die Bekämpfung der Ölpest werde von der Regierung in Paris nur zwischenfinanziert, sagte Umweltministerin Bachelot der Tageszeitung "Le Monde" (Dienstagsausgabe). Die Rechnung werde dann dem Entschädigungsfonds Fipol präsentiert. Das Völkerrecht müsse reformiert werden, so dass jeder Staat künftig gefährliche Tanker aus der 200-Meilen-Wirtschaftszone fern halten könne.

Das Departement Vendee an der Loire-Mündung, das von der "Erika"-Ölpest vor drei Jahren besonders stark betroffen war, will zur Bekämpfung der Ölverseuchung aus der "Prestige" vierhundert Helfer einstellen. "Wir werden die Einsatztruppe brauchen, um diese gefährliche und langwierige Verseuchung zu bekämpfen", erklärte Regionalratspräsident Philippe de Villiers. (APA/AFP)