Wien - Wenn auch immer wieder der wissenschaftliche Zweck betont wird: Die Raumfahrt ist nach wie vor ein Prestigeprojekt für die Staaten, die sich damit beschäftigen. Indien sorgte im September vorigen Jahres mit Plänen für einen Mondflug für Verblüffung. Nach einem gelungenen Raketenstart für die Ausbringung eines Wettersatelliten sagte der Chef der indischen Weltraumbehörde ISRO, ein Flug zum Mond könnte schon in vier bis fünf Jahren stattfinden. Experten rätseln, wie das zu finanzieren wäre.

China verbindet den Stolz des großen Reichs mit der bemannten Raumfahrt, die russischen Weltraumbehörden versuchen mit Alltourismus ihre Präsenz in der Raumstation ISS zu halten, und die europäische Raumfahrtagentur Esa stellt sich der Herausforderung, mit noch größeren Raketen der US-Nasa den Rang abzulaufen. Allerdings musste sie mit vielen Fehlstarts ihrer "Ariane" bittere Rückschläge hinnehmen.

Die Nasa ihrerseits hat zunehmend mit Budgetproblemen und sinkendem öffentlichem Interesse an der Raumfahrt zu kämpfen. Vor einem Jahr veröffentlichte das US-Internet-Fachblatt "Space.com" Tonbanddokumente, aus denen hervorgeht, dass der damalige US-Präsident John F. Kennedy 1962 die Nasa nur aus politischen Gründen zum raschen Apollo-Mondflug drängte. Ohne Chancen, die Russen in diesem Rennen zu schlagen, sagte Kennedy, "sollten wir nicht so viel Geld ausgeben, denn ich bin am Weltraum nicht so sehr interessiert". (kps/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. - 6. 1. 2003)