Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/EPA/Nicolas Asfouri

Neben der Mutter gilt er als die erste große Liebe, die nie enttäuscht. Und nicht selten hatte ihn das Christkind unter den Weihnachtsbaum gesetzt.

Die Rede ist von Teddybären, die seit den 80er-Jahren ein eigenes Sammelgebiet darstellen. Tausche neuen Golf gegen großen alten Steiff ist unter fanatischen Liebhabern eher die Regel denn eine Ausnahme. Noch in den 70er-Jahren waren die Plüschgenossen nur auf Flohmärkten anzutreffen und ihre Käufer wurden milde belächelt. Anfang der 80er-Jahre erfolgt die Kehrtwende. Die Teddywelle erreicht den Auktionssaal und Sotheby's hält 1983 seine erste Bärenauktion ab.

Die Sammler stammen vorwiegend aus Großbritannien und den USA, von wo aus der Markt auch mit erster Fachliteratur beglückt wird. Die Kuschelkunst wird zum Spekulationsobjekt, bis der Markt gegen Ende der 80er-ahre einbricht. Wurde bis dahin nach Gefühl gekauft (Kriterium "Ausstrahlung"),werden jetzt Wertmaßstäbe gesetzt: Alter, Seltenheit, Größe, Farbe, Material, Zustand ("abgeliebt" bzw. "bespielt") und Form, lauten die Kriterien. Obwohl An- und Verkauf damals stark gebremst sind, setzt Sotheby's einen Auktionsrekord: En früher weißer Steiff-Bär aus dem Jahr 1926 wechselt 1989 für umgerechnet über 85.000 € den Besitzer - "Happy", ein Geschenk zum Hochzeitstag, lebt heute in Kalifornien.

Den absoluten Rekord hält Christie's Monaco mit einem limitierten, 2000 hergestellten, allerdings von Louis Vuitton - mit Kostüm, Regenmantel und -hütchen samt Koffer ausgestatteten - Steiff-Exemplar. Unglaubliche 212.000 Euro bezahlte Mr. Jessie Kim aus Korea für den 45 cm großen, blonden, heute in einem Museum weilenden Mohair-Genossen. Solche Preise sind freilich nicht die Norm. Zweitplatziert im Ranking der Top-Ten-Ergebnisse ist mit etwas mehr als 153.000 Euro ein schwarzes Steiff-Exemplar aus dem Jahr 1912, mit 137.000 Euro drittplatziert eine zimtfarbene Steiff-Dame von 1905 (beide bei Christie's).

Die Geschichte des deutschen Unternehmens "Steiff" ist besonders eng mit der des Teddybären verbunden. Als Automaten begannen Bären in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts die sprunghaft ansteigende Spielzeugindustrie zu bevölkern. Durch den politischen Karikaturisten Clifford K. Barryman wurde der kleine Bär zur Symbolfigur des nordamerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt (er hatte den Abschuss eines Jungbären bei der Bärenjagd verweigert). Innerhalb eines Jahres verwandelte sich der Bär aus der Karikatur in ein Spielzeug für Kinder. Und das Geschäft mit dem kuscheligen Gefährten begann zu blühen. Zur selben Zeit wurden im Familienunternehmen Steiff (recht erfolglos) erste Plüschbären mit Gelenken entwickelt. Mit der Leipziger Spielwarenmesse im März 1903 sollte sich alles ändern. Ein New Yorker Spielzeugeinkäufer bestellte 3000 Stück.

Zwischen 1903 und 1908 stieg die Anzahl der jährlich bei Steiff hergestellten Bären massiv an - von 12.000 auf fast eine Million Stück und Steiff musste sein Werk dreimal erweitern. Bis heute rangieren "Fabrikate der Firma Steiff in der Preisskala ganz oben", merkt Gundi Pracher-Groh, Spielzeugexpertin des Dorotheums an. Der höchste Zuschlag in Österreich fiel im Oktober 1997 bei knapp 18.800 Euro für ein schwarzes Plüschexemplar. "Seltene Farben wie Rot, Zimt, Schwarz und Weiß werden von internationalen Bärenliebhabern besonders geschätzt", ergänzt Ingeborg Fiegl vom Dorotheum.

Der legendäre Knopf im Ohr (1903/04 Elefantennickelknopf) oder Nickelknopf mit Aufschrift "STEIFF", als Markenzeichen der Firma Steiff, ist neben dem Alter eines der wichtigsten Kriterien. Fiegl zählt die Merkmale für einen alten, bis 1925 hergestellten Steiff-Bären auf: "Große Füße, lange Arme, spitze Nase, seitliche Ohren ohne Füllmaterial, V-Naht am Vorder- und Hinterkopf, Buckel und Schuhknopf- bzw. Glasaugen". Als Preisrichtwert gilt unter Sammlern für alte Steiff-Bären folgende Faustregel: 1 inch = 2,5 cm = 100 USD.

Vergangenes Jahr feierte der "Teddy" seinen 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass bestückte Christie's seine traditionelle Dezember-Auktion mit besonders raren Objekten. Zum Held des Tages wurde diesmal das Schlusslicht: ein seltenes (Warmhalte-)Exemplar mit zugehöriger "Heißwasser-Flasche". Der auf 24.000 bis 32.000 Euro geschätzte Steiff-Genosse - von 1907 bis 1914 nur 90-mal gefertigt - wechselte für mehr als 51.000 Euro nach Toronto in ein privates Museum für zeitgenössische Kunst. Insgesamt summierte sich die Sammelliebe für "abgeliebte" Kuschelkunst bei Christie's auf beachtliche 504.000 Euro. (ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5./6.1.2003)