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Wien - "Die über 50-Jährigen sind die kommende Zielgruppe", sagt Andreas Hollinek, der das Internetportal 50plus betreibt: "Die höchsten Zuwachsraten sind in diesem Bevölkerungssegment - und nicht nur, weil diese Bevölkerungsgruppe in Zukunft stark wächst."

Demnach sind bereits 595.800 Internetnutzer in Österreich über 50 Jahre; 431.800 Personen davon sind laut dem Austrian Internet Monitor sogar "Intensivnutzer", das heißt, sie steigen mehrmals wöchentlich ins Netz. Der Vorsprung der Gruppe der über Fünfzigjährigen gegenüber der Gruppe der 14- bis 19-Jährigen beträgt mittlerweile drei Prozentpunkte. Untersuchungen zeigen außerdem, dass ältere Internetnutzer neben dem Surfen auch sonst sehr aktiv sind: Häufig shoppen sie auch im Internet oder informieren sich vor einem Einkauf.

Allerdings, beklagt Hollinek, hat die heimische Wirtschaft diesen Trend noch nicht erkannt. Selbst Firmen, die normalerweise ihren Offline-Produktauftritt nach den Wünschen der "50plus-Generation" aufbereitet haben, nehmen im Web darauf nicht Bedacht. Seiner Erfahrung nach schätzt diese Generation neben lesbaren Schriftgrößen ruhiges Design und will im Internet "eher informiert - und nicht von Bannern und Popups berieselt werden". Allerdings glaubt Hollinek, dass sich die Wahrnehmung dieser Zielgruppe bei der Wirtschaft sukzessive ändern wird: "Man muss bedenken, dass die 68er-Generation schön langsam in die 50plus-Generation hineinwächst."

Rührige Vereine

Sehr rührig im Web sind die Interessenvereine der Parteien, Seniorenbund (VP) und Pensionistenverband (SP), die zielgruppengerecht Informationen präsentieren und eine Community mit Kegel- und Vortragsabenden aufgebaut haben. Auch auf dem Weiterbildungssektor tut sich einiges: Die Volkshochschulen beispielsweise bieten spezielle Einsteigerkurse an. In Graz wurde ein Cybercafé für Senioren eröffnet, in dem Kurse abgehalten werden. (ruz/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. - 6. 1. 2003)

Trotzdem ist das nötige Computer- und Internetwissen geringer als in anderen europäischen Ländern (siehe Grafik). Hollinek: "Es gibt da ein Nord-Süd-Gefälle." Die Deutsche Telekom etwa hat im Rahmen der Initiative "Senioren ans Netz" im Vorjahr 72.000 Interessenten geschult. (ruz