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Was von Zoe übrig blieb ...

foto: apa/blackwood

Sydney - Der Wirbelsturm "Zoe" hat im Südpazifik weniger Unheil angerichtet als zunächst befürchtet: Sowohl die mehr als 1.000 Bewohner der Salomoneninsel Tikopia als auch die bis zu 1.000 Menschen auf Mota Lava haben den verheerenden Sturm überlebt.

Die Besatzung eines französischen Marinehubschraubers sei auf der zum Inselstaat Vanuatu gehörenden Insel Mota Lava gelandet und habe alle Bewohner unversehrt vorgefunden, berichtete ein Militärsprecher am Samstag im australischen Rundfunk. Zuvor hatte der Kameramann und Fotograf Geoff Mackley von der 200 Kilometer nordöstlich liegenden Insel Tikopia ähnliches berichtet. Das Schicksal der Menschen auf der Salomoneninsel Anuta ist hingegen weiter ungewiss.

Auf Tikopia hatten sich die Einwohner in Erdhöhlen geflüchtet, bevor der Zyklon vor über einer Woche mit mehr als 300 Kilometern pro Stunde über die Insel fegte, wie Mackley in der Zeitung "The Australian" (Samstagausgabe) berichtete. Er war bereits kurz darauf mit einer Cessna über die Insel geflogen und hatte die weltweite Berichterstattung über das Schicksal der Menschen in Gang gebracht. Nun konnte er am Freitag mit einem von der Zeitung gecharterten Hubschrauber auf Tikopia landen. "Ich hatte mich innerlich auf Leichenberge eingestellt, aber es liefen uns Hunderte von Menschen freudig entgegen", sagte der Neuseeländer.

Das Wissen um die immer wieder aufziehenden Zyklone hat den Menschen dort das Leben gerettet. Wie ihre Vorfahren schon hätten sie auch jetzt wieder den Schutz der ihnen bekannten Erdhöhlen gesucht. Allerdings stehe ihnen noch eine schwere Zeit bevor, da die gesamte Ernte und fast sämtliche Hütten zerstört seien, berichtete Mackley, der mitgebrachte Vorräte an die Insulaner verteilte. Den Menschen fehle es vor allem an Trinkwasser und Salz. Nach Aussage eines Inselbewohners ernähren sie sich momentan vor allem von Kokosnüssen.

Vor etwa 50 Jahren seien nach einem solchen Zyklon mehr als 200 Inselbewohner verhungert, berichtete der australische Sender ABC. Im Jahr 1992 sei eine solche Katastrophe nach dem Zyklon "Tia" gerade noch mit privat finanzierter Hilfe abgewendet worden.

Inzwischen sind zwei Hilfsschiffe auf dem Weg zu dem Katastrophengebiet. Das Patrouillenboot "Auki" mit Medizinern und Hilfsgütern sollte am Sonntag auf Tikopia ankommen. Ein zweites Schiff, die von Neuseeland und Australien finanzierte "Isabella", wurde für Montag erwartet. Unter den Helfern ist auch ein Arzt aus Österreich. Medienberichten zufolge leitet der Unfallchirurg Dr. Günter Kittel seit Jahren auf den salomonischen Inseln ein burgenländisches Hilfsprojekt. Er hoffe, am Sonntag im Katastrophengebiet anzukommen, sagte der Mediziner im ORF-Interview.

Trotz dieses Engagements verstärkt sich die Kritik an den schleppenden Hilfsaktionen, die erst eine Woche nach dem Sturm ihre Ziele erreichen werden. Das vermeintlich zögerliche Handeln Australiens, Neuseelands und Frankreich, die vertraglich zur Hilfsleistung verpflichtet sind, wird vermutlich das 16 Länder umfassende Kooperationsgremium Pacific Islands Forum beschäftigen.

In der australischen Presse wurde darauf hingewiesen, dass Australien bis jetzt lediglich 270.000 australische Dollar (knapp 150.000 Euro) Hilfe für Tikopia zur Verfügung gestellt habe - die Seerettung eines britischen Seemannes habe 1997 zehn Millionen australische Dollar verschlungen.

Die französischen Behörden, die erklärten, sie seien nie um Hilfe gebeten worden, hatten am Freitag aus eigenem Antrieb eine Erkundungsmission nach Mota Lava geschickt. Die Insel war erst vier Tage vor dem Zyklon von einem Erdbeben der Stärke 5,1 auf der Richter Skala heimgesucht worden, das Erdrutsche verursacht hatte. (APA/dpa)