Wien/Amsterdam - Er hat viele verschiedene Jobs: Arun Mehta aus Neu-Delhi ist in den USA und Deutschland ausgebildeter Ingenieur, politischer Aktivist, Unternehmensberater, Lehrer und Inhaber einer Softwarefirma. Als Programmierer zählt Mehta niemand Geringeren als Stephen Hawking zu seinen Kunden. Für das gelähmte Wissenschafter-Wunderkind entwickelt Mehtas Firma Indata eine Computersoftware, die nur über eine einzige Taste zu steuern ist.

Die Update-Version soll im Februar fertig sein. Mehta im STANDARD-Gespräch: "Wir machen die Software umsonst, das Programm kann sich jeder herunterladen. Wir haben sie relativ flexibel angelegt, sodass sie relativ leicht auf andere Behinderungen zugeschnitten werden kann."

Seine medientheoretischen wie -praktischen Erläuterungen gehörten zu dem Interessantesten, was die im Dezember abgehaltene Amsterdamer Konferenz "The Network Society of Control" zu bieten hatte. Während viele der internationalen Referenten Copyright- und Besitzfragen wie etwa Abhängigkeitsstrategien von Gen-Getreidefirmen analysierten oder über den kulturellen globalen Krieg debattierten, gab der Programmierer Gegenentwürfe - zu aktivem Handeln, zu Strategien legalen zivilen Ungehorsams.

Beispielgebend sei Gandhi mit seinem tagelangen "Salzmarsch" gewesen, zur Zeit der britischen Machthaber. Gandhi "machte" Salz, indem er es vom Strand aufklaubte, neun Tage lang. Heute hätten es Aktivisten leichter, meint Mehta. "Früher glaubte man, nur der habe Recht auf freie Meinung, der im Besitz einer Druckmaschine sei. Heute, in Zeiten des Internet, betreiben etwa bloß zwei Leute bytesforall.org."

Der wichtigste Schritt, so Mehta, sei der im Kopf: nämlich dass Ideen nicht besessen und reglementiert sein können. Die ganze "Grüne Revolution" im Indien der 60er-Jahre hätte laut Mehta etwa gar nicht stattfinden können. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Erziehung: "Die Menschen sollen Software lesen können, daran teilnehmen, sie reinladen auf Open-Source-Netzwerken und Details besprechen in Public-Access-Diskussionen." Bis zur Produktion von eigenem Cola, dessen Rezept im Internet zu finden ist, könne sich Mehta die Sache vorstellen.

Indien liegt Mehta am Herzen: "Ich fragte mich, wie können arme Menschen, die meist auch noch Analphabeten sind, technologische Mittel benutzen, und da sind wir aufs Radio gekommen, das kann sich jeder leisten. Im Vorjahr haben wir ein ganzes Dorf mit einem Sender mit kleiner Reichweite ausgestattet. Da können interne Besprechungen abgehalten werden, und wenn jemand etwas zu sagen hat, geht er einfach zur Station."

Was der eloquente Programmierer gar nicht verstehen kann, ist die Rolle der Frauen bei den neuen Medien: "Da kommt ein neuer Bereich, der nicht definiert ist durch die Geschichte und männliche Tradition. Und die Frauen? Sie überlassen die Domäne den Männern." (DER STANDARD, Printausgabe, 4./5./6.1.2003)