Algier/Madrid - Es war für Algerien der blutigste Wochenbeginn seit langem. Bei Anschlägen islamistischer Terroristen sind am Samstag und Sonntag - dem ersten Arbeitstag in dem muslimischen Land - mindestens 67 Menschen umgekommen. Die meisten Opfer waren Angehörige der algerischen Armee und des von Zivilisten geführten "Selbstverteidigungskomitees" (GLD).

In Teniet El Abed im Auresgebirge, 430 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Algier, führten die Islamisten einen der schwersten Angriffe gegen einen Militärkonvoi seit Beginn der bewaffneten Auseinandersetzung mit der Armee 1992. Eine Fallschirmspringereinheit geriet in einen Hinterhalt der "Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf" (GSPC). Die Angreifer schleuderten aus Gasflaschen hergestellte Sprengsätze auf die Fahrzeuge. Dabei kamen 39 Soldaten und vier Männer der GLD ums Leben. 20 bis 40 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Bei den anschließenden Razzien tötete die Armee fünf mutmaßliche Islamisten.

Am selben Abend liefen in Lakhardia, 120 Kilometer südöstlich von Algier, sechs weitere Soldaten in einen tödlichen Hinterhalt. Nur 50 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Algier, in Blida, überfielen die bewaffneten Islamisten zwei Familien und töteten dabei 13 Menschen.

Doch damit nicht genug. Im äußersten Osten des Landes, nahe der Stadt Annaba, wurden am Sonntag der Bürgermeister des Dorfes Chetaibi und sein Stellvertreter ermordet. Bei zwei weiteren Überfällen fielen den Islamisten zwei Mitglieder der GLD und ein Soldat zum Opfer.

Während die "Bewaffneten Islamistischen Gruppen" (GIA) nach dem Tod ihres Führers Antar Zouabri im Februar 2002 als geschwächt gelten und nur noch rund 100 Mitglieder zählen sollen, ist die GSPC von Hassan Hattab weiter aktiv. Sie soll dem Al-Kaida-Netzwerk angehören. Im September erschoss die Armee den angeblichen Al-Kaida-Chef für Nordafrika, den Jemeniten Emad Abdelwahid Ahmed Alwan. Bei dem Überfall auf den Militärkonvoi in Teniet El Abed sollen nun auch ausländische Kämpfer beteiligt gewesen sein. (Reiner Wandler/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2003)