Mailand - Von einem dieser Tage in Polen bekannt gewordenen, ebenso mysteriösen wie beispiellosen Korruptionsskandal berichtet die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera": In der Affäre spielen der sozialdemokratische Regierungschef Leszek Miller, der frühere Dissident und Zeitungsdirektor Adam Michnik und der Filmproduzent Lew Rywin die Hauptrollen. Rywin, der Produzent von "Schindlers Liste" und Polanskys "Der Pianist", soll im vergangenen Juni von Michnik 17,5 Millionen Euro Bestechungsgeld verlangt haben.

Feilschen um Mediengesetz?

Rywin, der sich als Abgesandter Millers ausgab, versprach, sich im Sinne der von Michnik geleiteten "Gazeta Wyborcza" bei der Verabschiedung eines neuen Mediengesetzes einzusetzen. Seit Monaten hatten sich die Regierung und die führende polnische Zeitung einen Schlagabtausch geliefert. Die "Gazeta" strebt nämlich den Erwerb des TV-Senders Polsat an, die Regierung dagegen will per Gesetz Presse und Fernsehen trennen. Zugleich sollen die öffentlich-rechtlichen und regierungsfreundlichen Sender gestärkt werden.

Rywin begab sich erneut zu Michnik und erklärte, man könne das Problem mit der Überweisung von 17,5 Millionen Euro an seine Produktionsfirma "Heritage" lösen. Der Betrag würde 5 Prozent des Werts von Polsat entsprechen. Für sich selbst, so Rywin, wolle er lediglich den Chefposten bei Polsat. Michnik nahm das zweite Gespräch mit Rywin heimlich auf und rief danach bei Miller an. Dieser versicherte, mit der Sache nichts zu tun zu haben. Bei einem anschließenden Dreiertreffen zwischen Miller, Michnik und Rywin brach letzterer schließlich zusammen und meinte: "Jetzt bleibt mir nur das Exil oder der Selbstmord", so die Darstellung des "Corriere della Sera".

Öffentlichkeit fragt sich nun ...

Die "polnische Öffentlichkeit" fragt sich nun, wie jemand wie Rywin, der weltbekannte Filme über den Holocaust produzierte, dermaßen tief fallen und auf die Idee kommen konnte, den als "unbestechlich" geltenden einstigen Mitkämpfer Lech Walesas zu korrumpieren. Andererseits erscheint es den Beobachtern seltsam, dass Regierungschef Miller, der Rywin als "einen Verrückten" bezeichnete, erst Monate, nachdem ihm die Affäre bekannt wurde, intervenierte. Aber auch der Chef der "Gazeta Wyborcza" erscheint in schiefem Licht: Warum hat Michnik sechs Monate gewartet, bevor er den Bestechnungsversuch anzeigte? Der Justizminister jedenfalls hat inzwischen eine Untersuchung der Affäre angekündigt, die inzwischen auch das Parlament beschäftigt. (APA)