Washington - US-Militärexperten rechnen bei einem Irak-Krieg mit einer eher niedrigen Zahl von Opfern auf Seiten der USA.

"Wenn wir es richtig machen, werden die Verluste absolut minimal sein", sagte Stephen Baker vom Center for Defense Information in Washington der Nachrichtenagentur Reuters. Er rechne im Fall eines Krieges mit einigen Hundert toten US-Soldaten. Baker, der selbst im Golfkrieg 1991 kämpfte, vermutete, dass die US-Strategen das Ziel verfolgten, in nur zehn Tagen einen Krieg im Irak für sich zu entscheiden. Voraussetzung dafür sei, dass die US-Truppen nicht in einen Häuserkampf um Bagdad verwickelt würden und dass Irak sie nicht mit chemischen oder biologischen Waffen angreife.

Auch William Taylor, Militärberater und ehemaliger Direktor für nationale Sicherheitsstudien an der US-Militärakademie West Point, geht für den Fall eines Krieges von "deutlich weniger als 1000 Toten" auf amerikanischer Seite aus. Er verweist auf den Golfkrieg 1991, bei dem 148 US-Soldaten getötet und 460 verwundet worden seien. Im Vergleich zum Golfkrieg sei die Militärtechnologie der USA weiter ausgereift. Damit könnten die US-Soldaten aus Gefahrenzonen fern gehalten werden.

Dagegen warnt der Militärexperte Ivan Eland vom Cato Institute davor, die Gefahren eines Krieges zu unterschätzen. "Leider orientieren sich alle an Kriegen der jüngeren Vergangenheit, in denen wir nicht viele Tote hatten", sagte Eland. Im Ersten Weltkrieg aber hätten die USA 116.000 Soldaten verloren, obwohl Beobachter mit einem kurzen Krieg und wenigen Toten gerechnet hätten.

Taylor und Eland gingen davon aus, dass eine hohe Zahl getöteter Zivilisten auf irakischer Seite ebenso wie getöteter US-Soldaten die Unterstützung der US-Bevölkerung für den Krieg empfindlich schwächen könnte. Aus Kreisen der US-Geheimdienste war im vergangenen Monat verlautet, der Irak plane eine Katastrophe für die Menschen im eigenen Land herbeizuführen, um die USA zu diskreditieren. Dies könne die US-Regierung erheblich unter Druck bringen und sie in eine schlechtere Situation versetzen als vor dem Militäreinsatz, sagte auch der Militärexperte Dan Smith.

Militärexperten erwarten nach eigenen Angaben, dass ein US-Angriff auf den Irak zunächst mit massiven Luftangriffen beginnen würde, um irakische Stellungen zu zerstören. Erst dann sei ein Einsatz von Bodentruppen wahrscheinlich, die Iraks Präsident Saddam Hussein stürzen sollten. (APA/Reuters)