Tokio/Seoul - Südkorea hat einen Kompromiss zur Lösung des Atomkonflikts mit Nordkorea ausgearbeitet. Der Vorschlag soll Anfang der Woche im Mittelpunkt der trilateralen Gespräche in Washington stehen, an denen die USA, Südkorea und Japan teilnehmen. Unterdessen reiste der stellvertretende südkoreanische Außenminister Kim Hang Kyung nach Moskau, um Russland zu mehr diplomatischem Druck auf Pjöngjang zu bewegen.

Einzelheiten des südkoreanischen Planes wurden zunächst nicht bekannt. Nach einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap fordert Seoul von beiden Seiten Zugeständnisse: Nordkorea soll die Einstellung seines Atomwaffenprogramms erklären, während die USA im Gegenzug die Sicherheit des kommunistischen Staates garantieren sollen. Die Agentur berief sich auf einen Mitarbeiter des südkoreanischen Außenministeriums. In anderen Medienberichten hieß es, die USA müssten ihre Öllieferungen an Nordkorea wieder aufnehmen. Ein Sprecher des US-Außenministeriums deutete an, Washington wolle sich auf keinen Kompromiss einlassen. "Wir haben nicht die Absicht, uns hinzusetzen und wieder zu verhandeln", sagte Richard Boucher.

Der stellvertretende russische Außenminister Alexander Losjukow sagte am Samstag, die USA und Nordkorea müssten auf ruhige und konstruktive Art nach einer Lösung suchen. Drohungen und Sanktionen seien kontraproduktiv. Losjukow empfing am Sonntag den stellvertretenden südkoreanischen Außenminister Kim. Dieser erklärte, die russische Hilfe sei von großer Bedeutung für die Lösung der Krise. "Russlands gute Beziehungen zu Nordkorea können helfen, einen effektiven Kanal für den Dialog zu schaffen", sagte Kim der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS.

Der südkoreanische Sicherheitsberater Yim Sung Joon wird in den kommenden Tagen zu Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm in die USA reisen. Wie die Regierung in Seoul erklärte, wird Yim bei seinem Besuch in Washington von Dienstag bis Donnerstag seine Kollegin Condoleezza Rice und andere Vertreter der US-Regierung treffen. Yim will anschließend nach Tokio weiterreisen, um die japanische Regierung über seine Gespräche zu unterrichten.

Aus Kreisen der Vereinten Nationen verlautete, Nordkorea werde zum Weltwirtschaftsforum Ende Februar in Davos eingeladen. Ein Berater von Generalsekretär Kofi Annan werde nach Pjöngjang reisen, um dem Vorsitzenden des Zentralen Volkskomitees, Kim Young Nam, die Einladung zu überreichen.

In Pjöngjang kamen am Samstag die Befehlshaber der nordkoreanischen Volksarmee zusammen, wie die amtliche Nachrichtenagentur KNA berichtete. Sie hätten die Notwendigkeit unterstrichen, die Gefechtsbereitschaft der Einheiten zu erhöhen. Nordkorea bekräftigte, dass Washington den ersten Schritt unternehmen und einen Nichtangriffspakt unterzeichnen müsse.

Im Oktober hatte Nordkorea die Wiederaufnahme seines Atomprogrammes zugegeben, im Dezember waren Überwachungskameras an den Anlagen demontiert und UNO-Inspekteure des Landes verwiesen worden. In früheren Krisen mit dem Norden agierte Südkorea stets zurückhaltend. Das derzeit stärkere Engagement wird von Beobachtern als Versuch gewertet, die Beziehungen zu den USA angesichts wachsender Ressentiments gegen die US-Stützpunkte im Land zu glätten. (APA/AP)