Caracas - Im Kampf um die Macht haben sich in Venezuela die Fronten zwischen der linksnationalistischen Regierung und der Opposition weiter verhärtet. Die Opposition drohte am Montag mit einer Ausweitung des seit 36 Tagen anhaltenden Generalstreiks auf das Finanzsystem. "Wir verhandeln jetzt über die Einstellung aller Bank-Aktivitäten im gesamten Land", sagte der Gewerkschaftsführer Manuel Cova in einem Interview mit der brasilianischen Zeitung "O Globo". Außerdem werde es neue Massenproteste geben. Die Opposition fordert den Rücktritt des umstrittenen Präsidenten Hugo Chavez oder sofortige Neuwahlen.

Chavez drohte seinerseits am Sonntagabend erstmals seit Beginn des Streiks, er werde die "Verräter und Verbrecher, die die Ölindustrie (und andere Wirtschaftssektoren) sabotieren", mit "aller Energie bestrafen". Zuvor hatte er am Freitag nach schweren Zusammenstößen mit zwei Todesopfern mit der Verhängung des Ausnahmezustands gedroht. "Ich will aber noch nicht alle meine Trümpfe ausspielen", sagte Chavez.

Noch am Mittwoch hatte die Opposition eine Lockerung des landesweiten Ausstandes in Aussicht gestellt. Bei neuerlichen Auseinandersetzungen waren am Samstag in Caracas zwei Polizisten angeschossen worden. Laut Medienberichten wurde eine Polizeistation angegriffen, als Sympathisanten von Chavez eine Totenwache für eines der Opfer der Unruhen abhielten. Die Zentralregierung hatte die Polizei, die vom oppositionellen Bürgermeister von Caracas Alfredo Pena kontrolliert wird, für die Todesfälle verantwortlich gemacht. Die Polizei hatte am Freitag eingegriffen, als Anhänger und Gegner von Chavez sich eine Straßenschlacht lieferten. (APA/dpa)