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US-Talkshow-Gastgeber Jay Leno ist ein bekennender Autonarr und Stargast bei jeder Eröffnung der alljährlichen Motorshow in Detroit. Der Absatzkrise begegnet die Industrie mit neuen Modellen und radikalen Kostensenkungs- programmen.

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Detroit - Die Krise am Automobilmarkt hat unter anderem den Absatz des VW-Konzerns, des größten europäischen Herstellers, 2002 erstmals seit Jahren weltweit wieder auf weniger als fünf Millionen Fahrzeuge absacken lassen. Mit 4,98 Millionen Einheiten verloren die Wolfsburger im Vergleich zum Vorjahr knapp zwei Prozent. "Wir haben dennoch unsere Ziele erreicht", sagte VW-Chef Bernd Pischetsrieder bei der US-Autoshow in Detroit (läuft bis 20. Jänner). Er zeigte sich zuversichtlich, im laufenden Jahr die Marke von fünf Millionen Autos wieder zu überspringen. Dazu würden unter anderem zwanzig neue Modelle aller Konzernmarken beitragen, darunter VW Golf und Touran sowie Audi A3.

Der VW-Vorstandsvorsitzende erwartet, dass 2003 weltweit wieder rund 38 Millionen Autos verkauft werden. "Wir wissen aber natürlich nicht, wie sich die einzelnen Märkte entwickeln werden." Dabei könnten so verschiedene Faktoren wie die Ölpreisentwicklung, ein möglicher Krieg im Irak, aber auch nationale Politik eine Rolle spielen.

VW rechnet damit, dass der Absatz in Asien weiter zulegen, dagegen in Westeuropa und den USA stagnieren wird. Im vergangenen Jahr haben hohe zweistellige Zuwächse des VW-Konzerns in China auf insgesamt mehr als eine halbe Million verkaufte Fahrzeuge Einbußen in Westeuropa nicht ausgleichen können.

Deutsche in den USA erfolgreich

Auf dem US-Markt waren die deutscher Hersteller dagegen 2002 ein weiteres Mal erfolgreich: Rekordabsatz von insgesamt rund 915.000 Autos übertraf das Vorjahresresultat um 3,8 Prozent. BMW, Mercedes-Benz und Audi erzielten dabei Rekordverkäufe, Volkswagen und Porsche verbuchten hingegen Rückgänge.

Sinnlose US-Rabatte

Die deutschen Anbieter haben erheblich besser abgeschnitten als der US-Gesamtmarkt. Die in- und ausländischen Autokonzerne verkauften im Jahr 2002 rund 16,8 Millionen Autos in den USA, ein Minus von 2,3 Prozent. Die Absatzprognosen der US-Autoanalysten sind für 2003 wenig optimistisch und liegen zwischen 15,9 Millionen und 16,5 Millionen Fahrzeugen.

Die enormen Absatzhilfen - sprich: Rabatte und kostspielige Incentives für Kunden - könnten 2003 möglicherweise Kaufmüdigkeit auslösen. Die Rabatte von bis zu 3900 Dollar je Auto und andere Anreize belasten die Gewinne der großen amerikanischen Hersteller - GM, Ford, Chrysler - erheblich. Die Amerikaner haben 2002 trotz Verkaufsanreizen und Nullzinsfinanzierungen beim Autokauf auf Pump zu Hause nur noch rund 10,7 Millionen Autos ausgeliefert oder knapp vier Prozent weniger als 2001. Schließlich wählten die US-Motorjournalisten auch noch ein deutsches Auto zum "North American Car of the Year", nämlich den Mini aus dem Hause BMW.

Für die europäischen Hersteller wird jedoch der massive Dollarkursverfall von rund 15 Prozent gegenüber dem Euro zunehmend zum Problem.

Restrukturierung

Die US-amerikanischen Hersteller arbeiten deswegen auch fieberhaft an einer Restrukturierung ihrer Kostensituation - es muss eisern gespart werden. Ford strebt etwa heuer eine entscheidende Beschleunigung ihres Senkungsprogramms an, berichtet das Wall Street Journal. Man will in Nordamerika an diesbezügliche Erfolge in Europa anknüpfen, wo Ford bereits profitabel arbeite, während der große Konkurrent General Motors mit ihrem europäischen Engagement noch in roten Zahlen stecke, heißt es weiter. (dpa, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 7.1.2002)