Linz - Im Linzer Landestheater - genauer: in den Kammerspielen - ist Selbstironie angesagt. Die Schauspieler Günther Rainer und Joachim Rathke - beide altgediente Stützen der Landestheatergesellschaft - haben eine Eigenproduktion mit dem Titel Das Herz in der Lederhose - oder der Ultimative Gegenschlag entwickelt. Ein Projekt, das am Sonntagabend bei der Uraufführung das Publikum begeisterte.


Grünes Licht

Es ist nicht selbstverständlich, dass "Stars" eines Theaters so viel Selbstironie - in manchen Passagen bis zur Schmerzgrenze - entwickeln und dann auch noch den Mut haben, die Sache auf die Bühne zu bringen. Nicht selbstverständlich ist auch, dass Dramaturgie und Intendanz dafür grünes Licht geben. Schließlich bekommen auch die Theaterverantwortlichen ihr Fett ab. Wie auch immer - in den Kammerspielen ist diese satirisch-kabarettistischeNabelschau des Treibens auf einer und hinter einer Bühne möglich geworden.

Eitle und eifersüchtige Schauspieler werden genau so persifliert wie überdrehte Regisseure, das Regietheater mit seinen unsinnigen Inszenierungsgags, aber auch der Opern- und Operettenbetrieb. Nicht ungeschoren bleiben dem Theater verwandte Bereiche wie die "Dichterlesung" in der Provinz oder das "Volksdümmliche".

Zu Günther Rainer und Joachim Rathke, den geistigen Vätern und Protagonisten des Abends, gesellt sich als kongenialer Partner der junge Live-Musiker Nebojsa Krulanovic. Die Ausstattung besorgte Caroline Stark, für die Dramaturgie zeichnete Albrecht Simons von Bockum Dolffs verantwortlich.

Alles in allem ein ebenso gelungenes wie in seiner theatralischen Selbstkritik ungewöhnliches Projekt des Linzer Landestheaters. Vielleicht, wenn man sich noch etwas wünschen hätte dürfen, nur eine Anmerkung: Auch die Kulturpolitik - bekanntlich auch nicht ganz ohne Einfluss auf das Theatergeschehen in Österreich - hätte die eine oder andere satirisch-kritische Textpassage durchaus "verdient". (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2003)