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"Gott schützt die Liebenden." Mit diesem Satz wollte Oberkommissar Mario Kopper um Verständnis dafür werben, die Ermittlungen gegen das Liebespaar Marcello und Julia behindert zu haben. Beide verdächtig, einen Rechtsradikalen getötet zu haben.

Für den ersten Tatort (So, 20.15, ARD; 22.55, ORF 1) des Jahres wurde nicht nur Johannes Mario Simmel, sondern auch Shakespeare bemüht. Aber man wusste nicht recht, warum. "Romeo und Julia" war der Titel, obwohl die Geschichte gar nicht von zwei verfeindeten Familien handelte, sondern von Neonazis, die Ludwigshafen unsicher machten. Und von einer italienischen Großfamilie, deren Sohn Marcello Julia, die unglückliche Schwester eines Nazi-Rädelsführers, liebte. Man wusste aber auch nicht recht, warum dieser Konflikt - ewiggestriges Deutschtum gegen Einwanderer - angedeutet wurde. Denn von Angst und Schrecken im Stadtviertel war dann nicht viel zu bemerken. Der Film hatte schlicht keine Atmosphäre, nicht einmal die Liebe zwischen Marcello und Julia war spürbar.

Typisch für diesen Tatort: Man hing nur herum, fadisiert, offenbar auf das Ende der Geschichte wartend. Die Liebenden auf der einen, Hauptkommissarin Odenthal und ihr Assistent Kopper auf der anderen - und die Zuschauer auf der dritten Seite. 90 Minuten. Eine lange Zeit für Rumhängen. Im Wohnzimmer selbst bedeutete das auch Echtzeit in Grübeln über den Sinn dieses Tatort. Spannung, eigentlicher Lebenszweck des Fernsehkrimis, war es unter Garantie nicht. (pi/DER STANDARD, Printausgabe vom 7.1.2003)