Neues Logo: A1 und Vodafone kooperieren.

Wien - Eine umfangreiche Partnerschaft haben am Dienstag Österreichs Handymarktführer Mobilkom Austria und Vodafone, der britischstämmige weltgrößte Mobilfunkanbieter, bekannt gegeben. Damit ist die nach dem Ausstieg von Telecom Italia auf Hochtouren laufenden Suche nach einem internationalen Kooperationspartner für die A1 und ihre Beteiligungen in Kroatien und Slowenien vorerst abgeschlossen.

Der Kern der Partnerschaft: Die beiden Marktführer wollen ihre Produkte aufeinander abstimmen, künftig gemeinsam Datendienste entwickeln und so das Fehlen von Industriestandards kompensieren.

28 Verbündete

Für die Kunden soll damit in 28 Ländern Interoperabilität über die Netzwerksgrenzen hinweg garantiert sein, kündigten Mobilkom-Chef Boris Nemsic und Vodafone-Vorstandsmitglied Thomas Geitner in einer Pressekonferenz an. Regen Funkkontakt gab es zwischen Telekom Austria (TA) und Vodafone schon seit Sommer 2001, als der italienische Miteigentümer über- raschend bekannt gegeben hatte, sein Gastspiel in Österreich beenden zu wollen. Vodafone deklarierte ihr Interesse an der Mobilkom zwar nie offiziell, in der Branche und in Kreisen des TA-Eigentümers ÖIAG rechnete man aber stets mit einem neuerlichen Markteintritt der Briten in Österreich.

Weiße Flecken

Zur Erinnerung: Vodafone hatte im Mai 2001 seinen Handyableger Tele.ring an Western Wireless verkauft und sich damit aus einem der dichtesten Mobilfunkmärkte Europas zurückgezogen. Seither war Österreich - neben Tschechien, der Slowakei, Kroatien und Slowenien - ein weißer Fleck auf der Vodafoneschen Europakarte.

Spätestens als die italienische TIM im Juni 2002 ihre 25 Prozent an der Mobilkom an die Telekom Austria verkaufte, war klar, dass die Cashcow der Telekom Austria einen internationalen Partner braucht, denn die Nummer zwei am europäischen Mobilfunkmarkt, T-Mobile, begann mit ihrem günstigen Europatarif "World-class" global agierende Geschäftskunden anzuziehen.

Diesen glaubt Nemsic in Vodafone gefunden zu haben: Erster Schritt der britisch-österreichischen Kooperation ist der Europatarif "Eurocall", der noch im ersten Halbjahr 2003 starten und maximal 80 Cent pro Gesprächsminute kosten soll. Außerdem sollen Produkte, Services, Technik und Marketingaktivitäten aufeinander abgestimmt und natürlich das Roaming - das kostspielige Telefonieren in ausländischen Handynetzen - einfacher und billiger werden.

Roaming

Beim Roaming dürfte die Mobilkom am meisten profitieren, denn sie wird mit ihren Beteiligungen in Österreich (A1), Kroatien (Vip-net) und Slowenien (Si.mobil) der bevorzugte Roamingpartner der Vodafone-Kundschaft. Das wiederum dürfte Tele.ring hart treffen, verliert sie doch damit eine sichere, jährlich steigende Einnahmequelle. Der Mini-A1-Ableger in Liechtenstein bleibt übrigens draußen, denn dort ist Vodafone bereits am Swisscom-Ableger beteiligt. Weltweit verfügt Vodafone über 107,5 Mio. Kunden; inklusive Partnernetze adressiert die Gruppe mit dem roten Logo rund 280 Mio. Han- dytelefonierer. Ein direktes Engagement in Österreich plant Vodafone für die nähere Zukunft aber vorerst nicht mehr: "Wir haben keine Pläne für eine Kapitalvereinigung und keinerlei Absichten, uns in Österreich zu beteiligen", betonte der für globale Produkte zuständige Vodafone-Vorstand Geitner.

Für Nemsic erhält A1 mit der Partnerschaft "eine Einbettung in ein globales Netzwerk", ohne die Eigenständigkeit zu verlieren. Für die TA ist damit sichergestellt, dass die A1-Millionen auch künftig als Dividende fließen. (ung, DER STANDARD, Printausgabe 8.1.2002)