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Wien hat den Stephansdom, Berlin das Brandenburger Tor, Paris den Eiffelturm und New York die Freiheitsstatue - beeindruckende Bauwerke mit symbolischem Wert, die in aller Welt als Wahrzeichen erkannt werden. Eine pinkelnde Bronzestatue hat es dagegen nur in Brüssel zur Sehenswürdigkeit gebracht: Manneken Pis ist das unbestrittene Wahrzeichen der belgischen Hauptstadt. Was Anlass für Häme und Spott sein könnte, erfüllt Jacques Stroobants mit Stolz. "Die Menschen kommen aus der ganzen Welt, um ihn zu sehen", sagt der 60-jährige Belgier, der seit 29 Jahren regelmäßig die Kostüme des urinierenden Männchens wechselt.

"Ich ziehe ihn immer an, bei Regen und bei Schnee", sagt Stroobants mit einem väterlichem Blick auf die Statue. "In der ganzen Welt gibt es nur einen Job wie diesen." Dutzende Touristen sehen ihm dabei zu, wenn er Manneken Pis als Weihnachtsmann verkleidet, mit fremden Trachten schmückt oder in die Farben eines der belgischen Sportvereine kleidet.

Mit einem Elvis-Anzug huldigt das bronzene Männchen jedes Jahr zum Todestag im August dem Sänger. Auch wenn die Figur auf den meisten Postkarten in ihrer nackten Schönheit prangt, hängen im städtischen Museum mittlerweile 600 Kostüme. An etwa 300 Tagen im Jahr ist Mannekin Pis bekleidet.

Nicht jeder darf den Knaben verhüllen: "Wenn wir ihm Coca Cola oder so etwas anziehen würden, verlöre er seinen ganzen Wert", warnt Stroobants vor einer Kommerzialisierung des pinkelnden Wahrzeichens. Politische Botschaften und Werbung sind tabu. Auch das lukrative Angebot eines belgischen Winzers vor sechs Jahren habe die Stadtverwaltung ausgeschlagen, sagt Stroobants. Wer dem Buben einen Anzug spendieren will, muss zuvor drei Fotos zum Büro des Vizebürgermeisters schicken. Selbst Harry Potter ist vor kurzem gescheitert - der kleine Zauberlehrling darf nicht in den Straßen von Brüssel pinkeln. (APA)