Caracas - Die Opposition in Venezuela treibt ihre Vorbereitungen für ein Referendum über die Amtszeit von Präsident Hugo Chavez ungeachtet des Widerstands der Regierung voran. Die Volksabstimmung werde stattfinden, "mit oder ohne Beteiligung dieses Regimes", sagte Streikführer Carlos Ortega am Montag auf einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. An Chavez gewandt fragte der Gewerkschaftschef: "Wovor haben Sie Angst?"

Mit ihrem seit mehr als fünf Wochen andauernden Generalstreik strebt die Opposition die Ablösung des linksgerichteten Präsidenten an. Minimalziel des Streiks ist ein Referendum, in dem die Bevölkerung über einen Rücktritt von Chavez abstimmen soll. Der Präsident, dessen Amtszeit im Januar 2007 endet, lehnt dies ab. Umfragen zufolge befürworten mittlerweile rund 90 Prozent der Venezolaner vorgezogene Wahlen.

Ölindustrie lahm gelegt

Der Generalstreik hat die monopolisierte Ölindustrie des Landes weitgehend lahm gelegt. Der staatliche Ölkonzern Petroleos de Venezuela (PDVSA) will den Streik zu brechen versuchen, indem die Gesellschaft aufgeteilt wird. Dadurch sollen Manager in der Verwaltung in Caracas, die sich dem Streik angeschlossen haben, ausgeschaltet werden. Bereits in der vergangenen Woche hatte PDVSA-Direktor Ali Rodriguez angekündigt, die Regierung plane, 6.000 Stellen in Caracas zu streichen.

Die Regierung stellte am Montag eine Wiederaufnahme und Steigerung der Erdölförderung in Aussicht. Erdölminister Rafael Ramirez sagte, derzeit würden etwa 800.000 Barrel am Tag gefördert, und die Produktion werde bis Ende der Woche auf mehr als eine Million Barrel aufgestockt. Dies wäre ein Drittel der Fördermenge vor dem Streik. Aus Wirtschaftskreisen verlautete, die Regierung mache bei der Wiederbelebung des größten Industriezweigs Venezuelas Fortschritte. Demnach werden zurzeit mindestens 500.000 Barrel Öl pro Tag exportiert und 400.000 Barrel produziert. (APA/AP)