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Österreich-Tourismus im Detail.

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grafik: apa

Wien - Die Österreich Werbung (ÖW) gibt sich trotz des bisherigen Schneemangels in weiten Teilen Österreichs für die laufende Wintersaison 2002/03 zuversichtlich. Die Gäste hätten Österreich auch auf Grund des bisher größten Wellnessangebots die Treue gehalten, das Dezember-Geschäft sei relativ gut gelaufen, berichtete ÖW-Chef Arthur Oberascher am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien. Für 2002 zog Oberascher eine "großartige touristische Bilanz".

"Ich bin froh, dass der Winter jetzt zurückgekehrt ist", kommentierte Oberascher die jüngsten Schneefälle: "Ich bin zuversichtlich, dass wir nun einiges aufholen können". Im Dezember seien zwar einige Stornos verzeichnet worden, andererseits aber auch Zuwächse in einzelnen Gebieten. In den Schigebieten habe es trotz Schneemangels "einen unglaublichen Zugang" gegeben, im Tal sei hingegen "viel Umsatz mit Wellness, Küche & Keller und Rundumangeboten wie Shopping und Kulturtourismus" gemacht worden.

Gesamtjahr zufriedenstellend

Die von der ÖW am Anfang der Wintersaison gestellte Prognose, dass die touristische Wertschöpfung in der Wintersaison 2002/03 um drei bis fünf Prozent steigen werde, sei demgemäß weiterhin aufrecht zu erhalten. Jene Regionen, die bei Schneemangel mit keinen Alternativangeboten aufwarten können, würden allerdings die Rechnung vom Gast bekommen und seien touristisch nicht relevant, stellte Oberascher fest.

Im Gesamtjahr 2002 seien trotz Hochwasser und Wirtschaftsflaute die Nächtigungen um 1,3 Prozent auf 116,6 Mio. sowie die Ankünfte um 1,6 Prozent auf 27,3 Mio. gestiegen, berichtete Oberascher. Die touristische Wertschöpfung habe sich um 3,6 Prozent auf 20,8 Mrd. Euro erhöht. Österreich habe nach permanenten Marktanteilsverlusten in Europa von 9 auf 5 Prozent 2001 laut Tourismusinstitut IPK und European Travel Monitor erstmals wieder eine Steigerung des Marktanteils auf 6 Prozent erzielt und somit die Trendwende geschafft.

Neuer Rekord bei Wertschöfpung

Im Tourismusjahr 1990 kam Österreich allerdings noch auf 123,6 Mio. Nächtigungen, 1992 wurde mit 130,4 Mio. Nächtigungen ein Rekordwert erreicht. 1997 sackte die Zahl der Nächtigungen schließlich auf 109,1 Mio. ab, womit die Talsohle erreicht wurde. Seit 1997 legten die Nächtigungen hingegen wieder zu.

Die touristische Wertschöpfung betrug 1992 17 Mrd. Euro, 1994 und 1995 wurde ein Rückgang auf je 16,3 Mrd. Euro verzeichnet. Seit 1997 stieg die Wertschöpfung kontinuierlich an und erreichte 2002 mit 20,8 Mrd. Euro einen bisherigen Rekordwert. Teilprivatisierung möglich

Die Österreich Werbung (ÖW) sucht nach der jüngsten Ankündigung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), ihre ÖW-Mitgliedsbeiträge ab 2004 verringern zu wollen und rein projektbezogen zu gestalten, nach einem neuen Finanzierungsmodell, sagte ÖW-Generaldirektor Arthur Oberascher am Dienstag bei einem Pressegespräch. Dabei stehe man auch einer Teilprivatisierung offen gegenüber: "Wir haben keine Angst vor einer Eigentümerveränderung". Die WKÖ hält 25 Prozent an der ÖW, der Bund 75 Prozent.

"Wir werden so rasch wie möglich in Verhandlungen mit der Wirtschaftskammer treten", kündigte Oberascher an. Die WKÖ müsse sich überlegen, wie sie weiter mit ihrer ÖW-Beteiligung verfahren wolle. Auch im Zuge der aktuellen Regierungsbildung müsse die Frage geklärt werden, ob die ÖW weiterhin öffentlich-rechtlich organisiert bleibe oder teilprivatisiert werde: "Der künftige Wirtschaftsminister muss sich dazu äußern".

Privater Partner vorstellbar

Oberascher kann sich grundsätzlich die Hereinnahme eines privaten Partners - vorzugsweise aus der Industrie - zu etwa 20 Prozent vorstellen: "Ich schließe nichts aus". Bei einer allfälligen Teilprivatisierung müsse allerdings darauf geachtet werden, dass keine Vermischung des Öffentlich-Rechtlichen mit dem Marktwirtschaftlichem passiere. Bis spätestens Mitte 2003 - dem Zeitpunkt der ÖW-Budgeterstellung für 2004 - müsse aber die Stoßrichtung endgültig klar sein.

Die Wirtschaftskammer zahlte 2002 rund 8 Mio. Euro als Mitgliedsbeitrag in die ÖW ein, der Bund 24,09 Mio. Euro. Die Eigenerlöse der ÖW, die sich zu einem Drittel aus den Beiträgen der Länder und zu zwei Drittel u.a. aus Kooperationen mit der Privatwirtschaft zusammensetzen, stiegen 2002 um 69 Prozent auf rund 12 Mio. Euro. Das Gesamtbudget der ÖW betrug 2002 45,7 Mio. Euro, 2003 ist eine Steigerung auf 46,2 Mio. Euro geplant. Die ÖW hat aktuell 210 Mitarbeiter.

Die vorjährige Forderung nach mehr öffentlichem Geld für TV-Werbung für die ÖW will Oberascher auch 2003 weiterhin aufrecht erhalten: "Ich werde nicht nachgeben, bis es zum Erfolg kommt". Die ÖW komme zwar mit dem derzeitigen Budget "zu Rande", dennoch zahle es sich aus, "mehr zu tun". Jugendtourismus zentral

Ein verstärktes Augenmerk will die Österreich Werbung (ÖW) 2003 auf den Jugendtourismus legen. Die zunehmend an Nächtigungen verlierenden österreichischen 1- und 2-Sternbetriebe könnten mit Hilfe von öffentlichen bzw. EU-Geldern zu speziellen Jugendbetrieben mit Internetausstattung umgebaut werden, schlug ÖW-Chef Arthur Oberascher am Dienstag bei einem Pressegespräch vor.

Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und dem Wirtschaftsministerium soll heuer ein Programm zur Förderung von Jugendhäusern erstellt werden, kündigte Oberascher an. Im Mai sei dazu ein Jugendkongress geplant. 18 Prozent der österreichischen Gäste seien unter 29 Jahre alt. Der Anteil der jungen Urlauber sei - vor allem im Winter - im Steigen, so Oberascher.

2003 will die ÖW außerdem u.a. weitere Vertriebskanäle - über Internet und Kooperationen mit Reiseveranstaltern - erschließen, in Hoffnungsmärkte investieren, die Nahmarktinitiative weiter fortsetzen, die Dachmarke für das Urlaubsland Österreich stärken, die Kooperationen mit den Bundesländern und Tourismusbetrieben ausbauen, sowie einige Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, - etwa die Logistik, wo 15 Mitarbeiter beschäftigt sind - auslagern. Weiters will die ÖW künftig ihr Marktwissen anderen Tourismusunternehmen anbieten: "Wir wollen die ÖW als Wissensagentur positionieren". (APA)