Astronauten brauchen für ihre Arbeiten im All besonders viel Feingefühl, etwa für Zentimeter genaue Andockmanöver bei einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 30.000 Stundenkilometer. Gerade in der Schwerelosigkeit lässt aber die Feinmotorik vielfach nach, etwa die Augen-Hand-Koordination ist nicht mehr so genau wie auf der guten, alten Erde. Ab Mai soll das Problem im Rahmen eines Forschungsprojekts genau unter die Lupe genommen werden, die in Wien ansässige Firma Jakob+Sturm Architecture arbeitete an der Entwicklung des Experiments mit.

"PMDIS/TRAC Instrument Table"

Dazu wurde ein eigener, höhenverstellbarer Computerarbeitsplatz "PMDIS/TRAC Instrument Table" entworfen und im Auftrag der deutschen Raumfahrtstechnikfirma Kayser Threde (München) zu einem großen Teil in Österreich gefertigt. Der Tisch wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. Die Austronauten werden für die Versuche verschiedene Aufgaben lösen, etwa bestimmte Ziele und Punkte auf dem Computerschirm mittels Zeigestab oder Joy-Stick möglichst genau zu treffen. Der Computer zeichnet jedes Ergebnis exakt auf.

Zum Teil müssen die Aufgaben von den Astronauten frei in der Schwerelosigkeit schwebend, zum Teil mit Hilfe eines Anschnallgurtes erledigt werden. Auch zusätzliche Übungen zur bewussten Ablenkung sind geplant. Letztendlich sollen die Ergebnisse des deutsch-kanadischen Experiments dazu dienen, die Ursachen für den Verlust der Augen-Hand-Koordination zu verstehen. Bisher vermuten die Wissenschafter mehrere Ursachen.

Nicht vollständig an die Schwerelosigkeit anpasst

So könnte es sein, dass sich das Gehirn nicht vollständig an die Schwerelosigkeit anpasst. Es wäre aber auch möglich, dass nur das freie Schweben des eigenen Körpers eine Rolle spielt, dann müsste das Phänomen beim Anschnallen verschwinden. Denkbar ist noch, dass die Astronauten einfach durch blinkende Lichter und schwebende Gegenstände in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt werden.(APA)