Athen - Die Europäische Union hat Israel aufgefordert, das gegen führende palästinensische Politiker verhängte Reiseverbot unverzüglich aufzuheben, um die geplante Konferenz in London zu ermöglichen. Derartige Maßnahmen würden den internationalen Bemühungen um Entschärfung der Krise im Nahen Osten zuwiderlaufen, heißt es in einer am Mittwoch im Namen des EU-Ratsvorsitzenden, des griechischen Ministerpräsidenten Costas Simitis, in Athen veröffentlichten Erklärung. Die Entscheidung der israelischen Regierung, die Teilnahme palästinensischer Führungsmitglieder an der Londoner Konferenz zu verhindern, führe zu noch mehr Hass und Extremismus, warnte Simitis.

Der britische Premierminister Tony Blair hat den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon gebeten, das Ausreiseverbot für palästinensische Politiker zu überdenken. Blair hat die palästinensische Delegation für nächsten Dienstag zu einer Konferenz mit Vertretern des Nahost-"Quartetts" (USA, UNO, EU, Russland) nach London eingeladen. Der EU-Außenpolitik-Beauftragte Javier Solana hatte die Nahost-Initiative des britischen Premiers als "positiven Beitrag" begrüßt. Sie stimme mit dem Wunsch der Europäischen Union überein, den Palästinensern bei der Reform ihrer politischen und wirtschaftlichen Strukturen Hilfe zu leisten.

Nach den Terroranschlägen in Tel Aviv vom vergangenen Sonntag hatte die israelische Regierung ein Ausreiseverbot verhängt und die Konferenz damit praktisch unmöglich gemacht. Der Streit hat nach Einschätzung der Londoner Presse zu einer Krise in den britisch-israelischen Beziehungen geführt. Der "Guardian" berichtete am Dienstag von einem "wütenden Streit" und einem "hitzigen Wortwechsel" zwischen den Außenministern Jack Straw und Benjamin Netanyahu. (APA/ANA)