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Als ich einer guten Freundin unlängst von meinem Fehler berichtete, ein paar Tafeln dieser wunderbaren französischen und italienischen Schokoladen mit dem abartig hohen Kakao-Anteil erworben zu haben, die mich da jetzt immer magnetisch zu der Lade ziehen, in denen ich sie aufbewahre, meinte sie darauf: "He, du führst dich ja auf wie eine Frau." Hm. Jetzt habe ich grundsätzlich kein Problem damit, mich wie eine Frau aufzuführen, in vielen Fällen ist das sowohl für mich als auch meine unmittelbare Umgebung sogar sicher von Vorteil, nur: Ist die Sucht nach Schokolade tatsächlich typisch weiblich? Hat das mit Hormonen oder Chromosomen zu tun? Wurde das von Marktbeherrschern wie Nestlé oder Kraft schon jemals untersucht? Sicher, nur halt nicht veröffentlicht. Wie auch immer, man liest recht häufig, dass auf diese Glücks-Stimulantien in der Schokolade besonders die Frauen ansprechen (wahrscheinlich, weil sie unglücklicher sind, Gründe dafür gäb¹s ja reichlich), und auch die persönliche Erfahrung zeigt, dass nicht wenige Frauen es tatsächlich beherrschen, sich ganze Tafeln billiger Supermarkt-Schokolade quasi unzerkleinert reinzuschieben. Wobei das dann schon andere Ursachen auch haben muss und man dem Glückshormon der Schokolade da jetzt echt nicht die Schuld geben darf, weil das ist in diesen hellbraunen, industriell erzeugten Milchschokolade-Dingsbums-Dingern nur mehr in Spuren-Elementen vorhanden. Abgesehen davon, dass da fast kein einziger enthaltener Stoff mehr "natürlich" ist und auch die Fertigung nichts mit wahrhaftiger Schokolade zu tun hat. Bei der werden nämlich nicht nur die Bohnen händisch selektiert, aufs Grad und die Sekunde genau geröstet, sondern auch tagelang und sorgfältig conchiert. In der Industrie jagt man irgendwelche 08/15-Bohnen mit affenartigem Druck durch Düsen, um die Homogenisierung zu erreichen, viel Zucker, Fett, Emulgatoren und Milchpulver dazu, fertig.

Also müsste doch eine Schokolade mit einem garantierten Kakao-Anteil von 85% oder mehr bei Frauen viel besser ankommen, wenn man der pseudo-wissenschaftlichen Argumentationskette folgen will. Tut sie aber eben nicht, hochprozentige Schokoladen sind seltsamerweise fast ausschließlich Männersache, was aber wiederum mit dem Nimbus zu tun haben dürfte, schließlich werden sie derzeit vornehmlich von Typen verzehrt, die sich bisher mit dem Schlürfen von Single Malts und Vintage Ports, mit dem Paffen von Habannas beschäftigt haben. "Die wird ja im Mund immer mehr", meinte etwa unlängst eine schöne Frau, mit einer astreinen "Noir Amer 85%" vom Pariser Chocolatier Michel Cluizel konfrontiert. Mein Gott, ist das alles kompliziert, ich glaub, ich hol mir noch eine Rippe von der 92%igen ...