Josephine (Isabella Rossellini)

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Liest man zum Beispiel in einem einschlägigen Werk nach, wie viele Hunderttausend an einer bestimmten Feldschlacht beteiligt waren, so wird man der Endlichkeit der gebündelten europäischen Finanzkraft gewahr.

Stellen wir uns vor: Die Kirch-Firma, Koproduzentin der aufwühlenden Serie über Frankreichs dicksten Kaiser, sucht Statisten für die Schlacht von Waterloo. Sie schaltet eine Anzeige, vielleicht in einem ungarischen Massenblatt.

Es melden sich daraufhin 263 willige Kleindarsteller. Die Hälfte von ihnen glaubt, vielleicht, weil es der Anzeigentext in der Übersetzung an der nötigen Klarheit fehlen ließ, an der Herstellung eines Pornos mitzuwirken ("Josephine, unersättliche Kaiserin"). Die übrigen 130 argwöhnen, von der ungarischen Armee angeworben zu sein, und beklagen sich bitterlich über ihre lächerlichen Uniformen und die unhandlichen Vorderlader ("Das soll eine Nato-Armee sein?").
Die Mühsal, alle Irrtümer aufklären zu müssen, bewegt die Filmfirma, sich lieber direkt an das Budapester Verteidigungsministerium zu wenden mit dem dringenden Ersuchen um zwei, drei Divisionen junger Darstellungswilliger. Ungarns männliche Blüte muss jetzt in Ägypten Sand schaufeln und auf Russlands kahlen Fluren Hungers sterben. Man hört sie Kaiser Napoleon nach 200 Jahren ein zweites Mal still verfluchen. (poh/DER STANDARD, Printausgabe vom 8.1.2003)