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Haberzettl: "Im Augenblick fehlt mir die Hoffnung

Foto: APA/Schlager

Wien - Kaum Chancen für eine schwarz-rote Koalition sieht der Chef der Eisenbahner-Gewerkschaft, Wilhelm Haberzettl. Im "Report" sagte Haberzettl, er stehe "dieser Konstellation sehr skeptisch gegenüber". Das Verhältnis zwischen SPÖ und ÖVP sei in der Vergangenheit von einem "ziemlich tiefen Misstrauen belastet" gewesen.

Er lehne aber eine Koalition von SPÖ und ÖVP nicht von vornherein ab. Wenn zwei Großparteien bemüht wären, ein vernünftiges Programm aufzustellen, könnte dies zum Wohl der Bevölkerung sein. "Nur im Augenblick fehlt mir die Hoffnung", so Haberzettl. Außerdem sei er durch das "Verhalten der handelnden Personen sehr verunsichert". Diese Verhaltensweisen seien "sehr schwer zu deuten".

Zur Rolle der Gewerkschaft befragt sagte Haberzettl, er glaube nicht, dass der ÖGB in der SPÖ zu viel Macht habe. Vielmehr werde künftig "das Kuschelverhältnis, das früher zwischen Partei und Gewerkschaft war, nicht mehr wirklich bestehen können". Darauf angesprochen, dass nach den Worten des SPÖ-Chefs Alfred Gusenbauer die Gewerkschaft künftig wichtige Reformen mittragen würde, dem aber die Haltung der Eisenbahner mit ihrer Streikdrohung entgegen stehe, sagte Haberzettl: "Ich glaube nicht, dass das als Reform bezeichnet werden kann". Es sei ein Rückschritt, wenn ein Unternehmen mit dem Ziel privatisiert werden solle, wenn der gemeinwirtschaftliche Bereich mit Mehrkosten für den Steuerzahler verbleibe, die Rosinen aber der Privatisierung zugeführt werde.

Der Politikwissenschaftler Norbert Leser hält ebenfalls eine schwarz-rote Koalition für "ziemlich unwahrscheinlich". Er würde dies auch der SPÖ nicht raten. "Wenn sie diesen Weg geht, hat sie nicht einmal 25 Prozent". (APA)