Wien - Die einen wollen es, aber sie können's nicht - die anderen wollen dabei nicht zuhören. Die Rede ist vom Handy-Telefonieren im Zug, einer unter Bahnkunden umstrittene Tätigkeit, für die das Waggonmaterial der Österreichischen Bundesbahnen keine idealen Voraussetzungen bietet.

Immer noch sorge "das Funkloch" für nachhaltigen Frust bei den mobilen Mobiltelefonierern, weiß Mobilkom-Sprecherin Ursula Novotny. Doch das werde sich ändern. Bis 2005: "Wir sind mit den ÖBB eine Kooperation eingegangen, wonach in den kommenden zwei Jahren in jedem Waggon ein so genannter Repeater eingebaut wer- den soll, der die Handy-Funksignale verstärkt", erläutert sie.

"Im Dezember 2002 gerade erst begonnen" habe man mit der gemeinsam mit T-Mobile durchgeführten Nachrüstungsaktion. Und zwar vorerst in der ÖBB-Businessclass und der Ersten Klasse - die Zweite Klasse komme später dran.

In der "Zweiten" werde man dafür die - laut Kooperationsvertrag - ÖBB-seitige Verpflichtung vorziehen: Die Entfernung jener dünnen Schicht aus Flüssiggold und anderen Metallen an der Außenseite der ÖBB-Waggonfenster, die die Handy-Funkstrahlen abschirmen.

Das Gold kommt weg

Lange vor Ausbruch des Handybooms habe man diese Schichten appliziert, die wärme- und kältedämmend wirken würden, heißt es in der ÖBB-Kommunikationsabteilung. Nun müssen man alle vergoldeten Scheiben ersetzen: Im Rahmen der über mehrere Jahre laufenden, 218 Millionen Euro teuren Runderneuerung des heimischen Zugmaterials, der so genannten ÖBB-Qualitätsoffensive. Ende des ersten Quartals 2003 würden 200 von insgesamt 720 Fernreisewaggons fertig renoviert sein. Ein wahres Vergnügen werde das Handytelefonieren hinter den strahlendurchlässigen Zugfenstern werden, freut sich Mobilkom-Sprecherin Novotny - für die Mobilfunkanbieter vor allem: "Wenn viel telefoniert wird, so ist das natürlich in unserem Sinn."

Doch die unbegrenzte Kommunikation hat auch ihre Kritiker: "Früher war Zugfahren ideal, um zu lesen oder um sich zu entspannen. Heute muss man schon die Ohren zuhalten", beschwert sich eine zuhörgeschädigte Zugbenutzerin.

In Italien haben Proteste wie diese zu einem Gesetzesentwurf für handyfreie Waggons in ICE-Zügen im römischen Parlament geführt. In Österreich, so ÖBB-Pressesprecher Stefan Pauser, werde an Derartiges nicht gedacht. Zwischen Oktober und Dezember 2002 habe sich bei den ÖBB-Beschwerdestellen über aufdringliche Handybenutzer kein einziger Fahrgast beschwert.

Die Unzufriedenen seien die "überwiegende Minderheit", zeigt sich Pauser erleichtert: "Das sind die üblichen Verdächtigen. Bei uns sind die Leute eher glücklich, dass sie im Zug mit dem Handy telefonieren dürfen". (bri; DER STANDARD, Printausgabe, 8.1.2003)