Washington - Die USA haben Regierungskreisen zufolge damit gedroht, das bisher von Venezuela gekaufte Öl von anderen Lieferanten zu beziehen, sollte das Land nicht bald einen Weg aus seiner innenpolitischen Krise finden. "Wir haben (von Venezuela) bisher rund 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag bezogen, die wir im Moment nicht bekommen", sagte ein Regierungsvertreter, der ungenannt bleiben wollte. "Das bedeutet, wir müssten es von anderswo bekommen."

Die Drohung war die unverblümteste aus Kreisen der Regierung, seit Gegner des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez die Ölindustrie des Landes weitgehend lahm gelegt haben. Venezuela ist der fünftgrößte Ölexporteur der Welt. Die Demonstrationen und Streiks halten seit fünf Wochen an.

Venezuela und die USA unterhielten im Energiebereich eine "strategische und historische Beziehung", sagte der Regierungsvertreter weiter. Diese werde nun aber von den Streiks gefährdet. "Zuletzt wird Venezuela der Verlierer sein, wenn es das (Problem) jetzt nicht löst, denn wir werden unser Öl anderswo kaufen."

Die Demonstranten fordern einen Rücktritt Chavez', den dieser verweigert. Sie stammen vor allem aus der Mittel- und Oberschicht des Landes und werfen dem Präsidenten vor, in dem Land ein System nach dem Vorbild des kommunistischen Kuba errichten zu wollen. Chavez genießt nach wie vor die Unterstützung der ärmeren Schichten Venezuelas. (APA/Reuters)