Singapur - Nordkorea hat nach Einschätzung von Atomexperten nach dem Wiederanfahren seines umstrittenen Atomprogramms noch kein waffenfähiges Plutonium aus seinem Reaktor abgezweigt. Ein Wissenschaftler des Monterey-Instituts für Internationale Studien widersprach damit am Mittwoch einem Bericht der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo. Diese hatte unter Berufung auf einen Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) gemeldet, es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Nordkorea nach der Wiederaufnahme seines Atomprogramms auch eine geringe Menge des zum Bau von Atomwaffen benötigten Plutoniums gewonnen habe.

IAEO-Chef Mohammed el Baradei hatte am Dienstag gesagt, dass in einigen der Atomanlagen Nordkoreas auch waffenfähiges Plutonium gewonnen werden könne, sei der UNO-Überwachungsinstitution bekannt. Dass Nordkorea nach der Entsiegelung der zuvor von der IAEO überwachten Anlagen jedoch Plutonium abgezweigt haben könnte, sei unwahrscheinlich. Der Bericht der Agentur Kyodo beruhe auf einem Missverständnis. Baradei betonte zugleich die Dringlichkeit einer internationalen Überwachung des nordkoreanischen Atomprogramms und die Notwendigkeit einer raschen Rückkehr der IAEO-Inspektoren. Diese waren Ende Dezember von der Regierung in Pjöngjang ausgewiesen worden. Japanische, südkoreanische und US-Vertreter beraten derzeit darüber, wie mit dem Konflikt um das Atomprogramm Nordkoreas umgegangen werden soll. (APA/Reuters)