Bild nicht mehr verfügbar.

Der frühere Rechtsanwalt Berlusconis und derzeitige Senator der Forza Italia, Marcello Dell'Utri.

Foto: REUTERS/Tony Gentile

Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat nach Angaben eines übergelaufenen Mafiabosses Beziehungen mit der sizilianischen Mafia unterhalten. Der abtrünnige Mafioso, Antonino Giuffre, der seit einigen Monaten mit den Staatsanwälten in Palermo zusammenarbeitet, berichtete nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Donnerstagsausgabe), dass Berlusconi in den 80er Jahren Verbindungen zum einflussreichen Mafia-Boss, Stafano Bontade, gepflegt habe.

Giuffre erzählte, dass der frühere Rechtsanwalt Berlusconis und derzeit Senator der Forza Italia, Marcello Dell'Utri, für Kontakte zwischen dem Medienunternehmer und der Cosa Nostra gesorgt habe. Diese sollte ihm angeblich dabei helfen, seine Fernsehgeschäfte auf Sizilien aufzubauen. Giuffre, der unter anderem an der Ermordung der Mafiajäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino beteiligt gewesen sein soll, ist Zeuge in dem Prozess, der in Palermo gegen Dell'Utri läuft. Dem Senator der Berlusconi-Partei werden Verbindungen mit der organisierten Kriminalität in Palermo vorgeworfen. Wahlunterstützung

Im Dezember hatte Giuffre berichtet, dass die Mafia bei Wahlen die Kandidaten des Berlusconi-Bündnisses unterstützt habe. Seine Aussagen seien von der Staatsanwaltschaft von Palermo als Beweismaterial gegen Dell'Utri vorgelegt worden. Im Dezember war auch Berlusconi als Zeuge in dem Verfahren befragt worden, doch er hatte von seinem Recht auf Verweigerung der Aussage Gebrauch gemacht.

Bei der Parlamentswahl im Mai 2001 hatte Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis alle Wahlkreise auf Sizilien für sich gewinnen können. Nach Giuffres Worten erwarte die Mafia als Gegenleistung Hafterleichterungen für verurteilte Mafiabosse, ein Ende der Beschlagnahmungen von Mafia-Vermögen durch den Staat und einen Stopp der Mafia-Verfolgung durch die Justiz. Diese Forderungen sind jedoch bisher nicht erfüllt worden. Dell'Utri wies Giuffres Vorwürfe mit Empörung zurück. Die Forza Italia habe stets mit Engagement die Mafia bekämpft, sagte er. (APA)