Wien - Feiertage und Urlaub sind Zeiten, in denen sich häufig latente Spannungen entladen. Damit daraus nicht gleich ein Drama wird, sollten manche zurück auf die Schulbank. Die "Erste Wiener Streitschule" bietet ein Seminarprogramm an, um richtig streiten zu lernen.

Eleonore Schneiderbauer, Psychotherapeutin, und Ernst Feistauer, Wirtschaftsjurist, Unternehmensberater und Mediator, haben sich den Namen patentrechtlich schützen lassen. "Gedacht ist nicht gesagt, gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht einverstanden." Unter diesem Motto sollen die Streithähne über ihr eigenes Verhalten nachdenken und in Rollenspielen "lernen, angstfreier und konstruktiver zu streiten".

Standpunkte besser und nachhaltiger kommunizieren

"Ich kann nicht streiten, ich gebe immer nach, ich ziehe mich zurück", Psychotherapeutin Schneiderbauer ist oft mit solchen Aussagen konfrontiert. In zwei halben Tagen - einen zum Warmlaufen, am nächsten Tag geht es ans Eingemachte - soll vermittelt werden, wie man "besser zuhört und die Standpunkte besser und nachhaltiger kommuniziert".

Denn in einem guten Streit haben Phrasen wie "Das machst du immer so" nichts verloren, auch Vorwürfe und Unterstellungen helfen nicht weiter. Stattdessen sollte man sagen: "Ich bin gekränkt, wenn du mit mir so umgehst" oder "Ich fühle mich nicht ernstgenommen".

Angesprochen ist jeder, der streiten lernen will: Einzelpersonen, streitlustige Paare, Leute, die miteinander Schwierigkeiten haben, ganze Teams - und Jugendliche, die mit ihren Eltern nicht zurecht kommen. Bei diesen Seminaren wird "besonderes Augenmerk auf die verschiedenen (Sprach-) welten von Erwachsenen und Jugendlichen gelegt. Für die Eltern kostet es 222 Euro, Jugendliche zahlen "taschengeldverträgliche" 18 Euro. (Bernadette Damböck, DER STANDARD Printausgabe 8.1.2002)