St. Pölten/Wien - "Unabhängige Tierärzte und keine weisungsgebundenen Veterinäre" müssten in den Schlachthöfen die Fleischkontrolle innehaben, meint der Beschautierarzt Thomas Müller. Nicht zuletzt "die Fleischsicherheit im Interesse der Konsumenten" gebiete das, ergänzt die niederösterreichische Grünen-Fraktionsobfrau Brigid Weinzinger.

Umso "willkürlicher" - so Weinzinger - sei der Widerruf der Bestellung Müllers und weiterer elf Kollegen als Kontrollorgane in der größten niederösterreichischen Fleischfabrik in Unterstinkenbrunn. Dort hatte die Gemeinde im Jahr 2001 sechs Jungveterinäre statt der bis dahin tätigen 15 freiberuflichen Fachleute angestellt: eine Aktion, die zu Protesten führte (DER STANDARD berichtete).

Ihre Tätigkeit sei ruhend gestellt, hatte das Land den "freien" Beschauern damals mitgeteilt. Die Tierärzte beriefen - und bekamen Recht. Bis sie am Heiligen Abend 2002 ein weiteres, vom niederösterreichischen Landesveterinärdirektor Franz Karner unterzeichnetes "Entlassungsschreiben" zugestellt bekamen: Eine "Horuck-Aktion, mit der herrschendes Gesetz gebogen worden ist", kritisiert Richard Elhenicky, Direktor der österreichischen Tierärztekammer.

"Im November 2002 hat mir die Gemeinde Unterstinkenbrunn mitgeteilt, dass sie die Verträge der sechs angestellten Beschauer unbefristet verlängern will", meint Karner dazu. Also habe man den "Freien" den Rechtsstand mitteilen müssen - "mehr nicht". (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 8.Jänner 2003)