Foto: WWP

Ozzy Osbourne ist nur die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit heißt Black Sabbath, für die Osbourne natürlich gesungen hat. Zum Beispiel "Paranoid", eine der Heavy-Metal-Bibeln schlechthin, die seit Wochen wieder rauf- und runtergehämmert wird - in den ORF-Spots, mit denen die A1-Mobilkom für die am Freitag anhebende Snowboard-WM in Murau am Kreischberg wirbt.

Die drei Spots haben längst Kultcharakter. Da steigt ein älterer Mann mit langem Bart und Stock in Murau die Schlossstiege hinauf, plötzlich setzt er zum Sprung an und probiert eine Drehung um die ganze Achse (Snowboarder-Jargon: "three-sixty"), landet aber unsanft auf seinen vier bis sieben Buchstaben. Dann ein anderer Mann, der geschnitzte Heilige in der Auslage seiner Werkstatt stehen hat, eine hölzerne Pfeife in der Mitte auseinander schneidet ("halfpipe") und sie mitten unter die Heiligen legt. Und schließlich der Pfarrer und jene vier Damen, die aus der Kirchbank wie in einem Snowboard-Cross zur Kommunion starten.

Kaplan, Bär, Ski-Sepp

Auch in der katholischen Kirche gibt es Menschen, die gar keinen Spaß verstehen, und so haben sich zunächst einige ordentlich beschwert über den Film. Dabei hatte Anton Herk-Pickl, der Kaplan der Leonardi-Kirche, doch von Anfang an seinen Segen gegeben, er wollte nur, dass viele junge Menschen in der Messe zu sehen sind. Herk-Pickl spielt sich selbst, auch die Hauptdarsteller der anderen Spots sind Murauer Originale. Helmut "360" Edelbacher, den sie ansonsten "Bär" nennen, unterrichtet an der Sporthauptschule Murau, ist Skitrainer und Extremabenteurer. Und Sepp "Halfpipe" Steidl, der "Ski-Sepp" heißt, gehört mit der Ziehharmonika, dem Speck und Zirberl zu Murau wie der Kreischberg, seine Werkstatt ist so echt wie Edelbachers Bart.

Die A1-Mobilkom hatte WWP, die Agentur von Harthi Weirather, Hanni Wenzel und Burghard Hummel, damit beauftragt, das Kreischberg-Konzept zu erstellen. WWP konnte mit Philipp Schueller jenen Mann gewinnen, der "Iss wos G'scheits" (Iglo) getextet hat, und den coolen ungarischen Regisseur Laszlo Kadar, der in Cannes schon einen Silbernen Löwen ("Aubergine") erhielt. Man kam auf die Idee, den jugendlichen Charakter des Snowboardens mit dem eher traditionellen, erdigen Flair der WM-Gegend zu verbinden. Ein "Scout" wurde nach Murau geschickt, er sah sich in Wirtshäusern nach potenziellen Darstellern um und besuchte nicht nur die "Kreischberg Indios", den größten Snowboardklub Österreichs, sondern zum Beispiel auch den Gesangsverein.

Auch Ozzy Osbourne schlägt eine Brücke zwischen Jung und Routiniert. Das MTV- (und ORF-)Publikum kennt ihn aus seiner eigenen Familienserie, in der die Hunde alles voll scheißen, erfahreneren Cracks ist er noch von seiner Glanzzeit her ein Begriff. Mittlerweile regen sich bei den WM-Veranstaltern immer weniger Leute auf, immer mehr wollen wissen, wie und wo man die Spots aus dem Internet downloaden kann. Die Werbung ist jedenfalls besser als jene durch Österreichs Snowboarder selbst, die noch nicht viel gezeigt haben in diesem Winter. Gestern wurde so oder so ein WM-Aufgebot nominiert, es umfasst 20 Aktive. (Fritz Neumann/DER STANDARD, Printausgabe, 8.1.2002)