Wien/London - Die Schwerkraft ist auch nicht schneller als das Licht. Albert Einsteins bald ein Jahrhundert alte Theorien wurden nun durch die erstmalige Messung der Geschwindigkeit, mit der sich die Schwerkraft selbst ausbreitet, wieder einmal bestätigt. Die erste Messung gelang laut Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" Ed Fomalont of the National Radio Astronomy Observatory in Charlottesville (US-Bundesstaat Virginia) und Sergei Kopeikin von der University of Missouri in Columbia (US-Bundesstaat Missouri).

Die Überlegung "Wie schnell ist die Schwerkraft?" wird gerne mit folgendem Gedankenexperiment illustriert: Entfernt man die Sonne aus unserem System, wie lange dauert es dann, bis die Erde von ihrer Bahn abweicht und geradewegs in den Weltraum schießt? Die meisten Wissenschafter nahmen bisher an, dass es - Einsteins Gravitationstheorien folgend - etwa 8,3 Minuten dauern würde, so lange braucht nämlich auch das Licht von der Sonne zur Erde. Fomalont und Kopeikin haben diese Annahmen nun weitgehend bestätigt.

Messung - gewusst, wie

Für ihre Messungen mussten die Wissenschafter tief in die mathematischen und physikalischen Trickkisten greifen. Sie beobachteten im September vorigen Jahres einen Radiowellen aussendenden Quasar, als dieser kurz hinter dem Jupiter verschwand. Es ist bereits bekannt und oft beobachtet, dass kurz vor oder nach derlei Ereignissen Licht oder Radiowellen kurzfristig seltsame Phänomene zeigen. Die Wellen werden nämlich von der Schwerkraft des Jupiter - oder eines anderen massiven Objekts - abgelenkt und die auf der Erde ankommenden Bilder minimal verzerrt. So wird der Quasar, kurz bevor er hinter dem Jupiter verschwindet, zu einem ringförmigen Gebilde.

Wenn man nun in die Beobachtungen die bekannten Größen von Masse und Geschwindigkeit des Jupiter mit einkalkuliert, kann man ausrechnen, wie schnell sich die Schwerkraft ausbreitet. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Gravitation mit 95 Prozent der Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist. Allerdings gebe es noch eine erhebliche Schwankungsbreite, räumen die Forscher ein.

Aufatmen ...

Die Messungen sind für die Theoretiker in der Physik beruhigend, denn jedes andere Ergebnis hätte die gängigen Modelle über den Haufen geworfen. Die Berechnungen weisen aber auch Theorien über vieldimensionale Universen in die Schranken. Diese besagen unter anderem, dass die Schwerkraft bei ihrer Reise durch den Raum gleichsam Abkürzungen über extradimensionale Gebilde nehmen könnte. Dadurch wären sie aus unserer Sicht schneller als das Licht, ohne dass Einsteins Vorhersage: "Nichts ist schneller als Licht" verletzt würde.(APA)