Bild nicht mehr verfügbar.

Ein Transparent bei Protesten Anfang Dezember 2002 gegen die Wiedervereinigungspläne der UNO zeigt die türkische Flagge neben den Umrissen Zyperns.

Foto: APA/EPA/Simela Pantzartzi

Ankara - Die türkische Regierung hat eine Änderung ihrer Haltung in der Zypern-Frage angekündigt. Wie Außenamtssprecher Yusuf Buluc am Mittwoch mitteilte, betrachtet Ankara den von UNO-Generalsekretär Kofi Annan vorgelegten Plan zur Wiedervereinigung der geteilten Mittelmeerinsel als "neues und wichtiges Element" bei den Bemühungen um eine friedliche Lösung des Zypern-Problems. Deshalb bestehe die Notwendigkeit einer entsprechenden "Umorientierung" der türkischen Politik. Diese sei bereits im Gang, und türkische Diplomaten führten derzeit Gespräche mit Politikern der nur von Ankara anerkannten "Türkischen Republik Nordzypern".

Keine Meinungsunterschiede zwischen Türkei und "Türkischer Republik Nordzypern"

Der Außenamtssprecher sagte zugleich, Ankara stimme mit den Einwänden des türkisch-zypriotischen Volksgruppenführers Rauf Denktas gegen "einige Aspekte" des UNO-Plans überein. Es gebe zwischen der Türkei und der "Türkischen Republik Nordzypern" nicht den "geringsten Meinungsunterschied" über die Friedensbemühungen zur Beendigung der Zypern-Krise.

Denktas hat den Annan-Plan abgelehnt. Der Plan sieht einen Bundesstaat Zypern mit ungeteilter Souveränität aus zwei gleichberechtigten Gebietseinheiten für die griechische und die türkische Volksgruppe vor, die wie die Schweizer Kantone ihre eigenen Regierungen haben sollen. Die türkischen Zyprioten müssen ihre Forderung nach Zweistaatlichkeit aufgeben.

Demonstrationen von 30.000 türkischer Zyprioten im Dezember

Die Türkei hält den Nordteil der Insel seit der Invasion von 1974 besetzt und hat dort knapp 40.000 Soldaten stationiert und mehr als 100.000 Festland-Türken angesiedelt. Rund 30.000 türkische Zyprioten hatten Ende Dezember für die Wiedervereinigung der Insel und die EU-Mitgliedschaft demonstriert. Sie forderten den Rücktritt von Denktas, dem sie vorwarfen, eine Einigung mit der griechisch-zypriotischen Seite zu behindern. Nahezu zwei Drittel der türkischen Zyprioten unterstützen den UNO-Wiedervereinigungsplan, wie aus einem von der Zeitung "Kibris" am Dienstag veröffentlichten Umfrageergebnis hervorgeht.

Der Vorsitzende der regierenden islamischen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) und "starke Mann" der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, hatte den harten Kurs von Denktas gegenüber den Vereinten Nationen und der Europäischen Union außerordentlich scharf kritisiert. Die Zypern-Frage sei nicht die "persönliche Angelegenheit" von Denktas, sondern der Existenzkampf einer Nation. Die öffentliche Meinung der türkischen Volksgruppe auf der Mittelmeerinsel könne nicht ignoriert werden. Er sei nicht dafür, die Zypern-Politik der vergangenen Jahrzehnte fortzusetzen, hatte Erdogan gesagt. Führende türkische Militärs sollen dagegen Denktas weiter die Stange halten. (APA/AP)