New York - Experten der UN-Kontrollkommission für den Irak (UNMOVIC) haben in der Waffendeklaration der Regierung in Bagdad erhebliche Lücken ausgemacht. Hunderte Einzelfragen, darunter nach dem Verbleib von früher bekannt gewordenen Beständen an biologischen Kampfstoffen, seien noch offen. Das verlautete im Vorfeld eines weiteren Treffens des Weltsicherheitsrates mit dem Chefinspektor Hans Blix und dem Chef der Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohammed el Baradei, aus informierten UN-Kreisen. Die Sitzung hinter verschlossenen Türen soll am Donnerstag stattfinden.

Vor allem bemängeln UNMOVIC-Spezialisten den Angaben zufolge, dass die rund 12.000 Seiten umfassende irakische Dokumentensammlung kaum Angaben enthalte, die nicht bereits der früheren Kontrollkommission UNSCOM vorgelegt worden waren. Neu seien im wesentlichen nur Informationen zur angeblichen Umgestaltung einst militärischer Programme für zivile Nutzungen. UNMOVIC-Chef Blix hatte zuvor bereits angekündigt, die irakische Führung bei seinem ab dem 18. Jänner geplanten Arbeitsbesuch in Bagdad mit den offenen Fragen und dem zusätzlichen Informationsbedarf der Inspektoren zu konfrontieren.

Unabhängig davon wird erwartet, dass Blix und El Baradei dem Irak vor dem Sicherheitsrat erneut generelle Kooperationsbereitschaft bescheinigen. Behinderungen der Suche nach Massenvernichtungswaffen vor Ort seien bisher nicht festgestellt worden, hieß es bei der UNMOVIC. Auch habe man bisher keine Beweise dafür gefunden, dass der Irak weiterhin verbotene Kampfstoffe produziert. Allerdings seien von irakischer Seite auch keine Beweise dafür vorgelegt worden, dass Bagdad - wie von der Regierung behauptet - alle Bestände an biologischen und chemischen Kampfstoffen vernichtet habe.

Die Inspektoren stützen sich dabei auf in den 90er Jahren zusammengetragene Erkenntnisse und Fragestellungen. Danach müsste der Irak zumindest 1999 noch über hunderte Tonnen an Materialien verfügt haben, die zur Herstellung von Nervengiften, Senfgas und dem Milizbranderreger Anthrax verwendet werden könnten. Diese Erkenntnisse seien keineswegs neu, hieß es in UN-Kreisen. Der Irak müsse allerdings Rechenschaft über den Verbleib der Materialien geben. Die Regierung in Bagdad hatte bei der Übergabe ihres Rüstungsdossiers im Dezember erklärt, sie verfüge nicht mehr über Massenvernichtungswaffen oder Materialien zu deren Herstellung.

In der UNO-Sitzung wird außerdem die deutsche Einschätzung der irakischen Waffendeklaration präsentiert. Diese beruht auf der geheimdienstlichen Auswertung einer erheblich gekürzten "Arbeitsversion" der Dokumentensammlung. (APA/dpa)