Belgrad/Sarajewo - Die UNO-Polizei in Bosnien-Herzegowina hat vor dem Ablauf ihres Mandats am 31. Dezember des Vorjahres anscheinend noch die Kriegsvergangenheit der heimischen Polizisten genau unter die Lupe genommen. 64 Polizisten in beiden bosnischen Landesteilen (bosniakisch-kroatische Föderation und Serbische Republik) seien nach einer groß angelegten Überprüfung entlassen worden, teilte das Londoner Institut für Kriegs- und Friedensberichte mit. In seinem Balkan-Krisenbericht verweist das Institut vor allem darauf, dass die heimischen Justizbehörden kaum Interesse bekunden würden, die mutmaßlichen Kriegsverbrechen der entlassenen Polizisten zu untersuchen, wozu sie verpflichtet seien.

Bis dato hat in Bosnien-Herzegowina erst ein diesbezüglicher Prozess begonnen. Unter starkem internationalen Druck waren in einem Gericht in Prijedor Anfang Dezember des Vorjahres neun bosnisch-serbische Polizisten erschienen, die kurz vor dem Kriegsende 1995 den katholischen Priester Tomislav Matanovic und dessen Familienangehörige ermordet haben sollen. Der Prozess musste allerdings nach kürzester Zeit wegen angeblichen Stromausfalles unterbrochen worden.

In etlichen anderen Fällen sind noch nicht einmal Ermittlungen eingeleitet worden. In den beiden bosnischen Gebietseinheiten gab es unmittelbar nach dem Kriegsende etwa 40.000 Polizisten. Die meisten stammten aus den aufgelösten Milizen. Während der Amtszeit der UNO-Mission in Bosnien-Herzegowina war die Zahl der Polizisten auf 15.000 abgebaut worden. Seit 1. Jänner dieses Jahres hat eine EU-Polizeitruppe die Aufgaben der UNO-Mission übernommen. (APA)