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Sharon mit seinem Sohn Omri

Foto: APA/EPA/Kremer

Polizeiliche Ermittlungen gegen kleine Likud-Funktionäre wegen möglicher Stimmenkäufe bei den internen Vorwahlen haben Israels große Regierungspartei laut Meinungsumfragen schon bis zu zehn Mandate gekostet, eine andere Affäre um eine 1,5 Millionen-Dollar-Bürgschaft bringt jetzt aber Premierminister Ariel Sharon höchstpersönlich ins Zwielicht.

Der Wahlkampf wird plötzlich von der Frage dominiert, ob die Familie des Premierministers etwa Bestechungsgelder eingesteckt oder doch nur finanzielle Überbrückungshilfe von einem reichen Freund bekommen hat. Für den Wahlkampfberater von Ariel Sharon ist es kein Zufall, dass genau drei Wochen vor dem Urnengang in der Tageszeitung Ha'aretz ein Bericht über Vorgänge erschien, die inzwischen ein Jahr zurückliegen. Er spricht von einem "System von Lügen, Indiskretionen und Desinformation, das nur ein Ziel hat, den Ministerpräsidenten zu stürzen".

Oppositionschef Amram Mitzna sagte, die israelische Öffentlichkeit habe ein Recht auf lückenlose Aufklärung: "Ich rufe Sharon auf: Brechen Sie Ihr Schweigen, oder treten Sie zurück."

Die Wurzeln der Affäre reichen zu den Likud-"primaries" im Jahr 1999 zurück. Sharon hatte damals für seine Wahlkampf aus dem Ausland rund eine Million Dollar bekommen, wurde dafür vom Staatskontrollor gerügt und verpflichtete sich, das Geld zurückzuzahlen. Seine Söhne Omri und Gilad Sharon organisierten zu diesem Zweck einen Bankkredit, für den zunächst eine Hypothek auf die Familienfarm in Südisrael aufgenommen wurde.

Die Bank forderte den Kredit aber mit einem Mal wieder zurück - und als Retter in der Not sprang der südafrikanische Tycoon Cyril Kern ein, der mit Sharon seit mehr als 50 Jahren eng befreundet ist, und überwies im Jänner 2002 1,5 Millionen Dollar als Bürgschaft für den Premierminister. Sharons Berater argumentieren, dass diese Transaktion vollkomen legal gewesen sei, für den dabei lukrierten Zinsvorteil seien sogar Steuern abgeführt worden: "Hat man jemals von Bestechungsgeldern gehört, auf die man Steuern zahlt?" Kern erklärte, er sei "sehr glücklich, einem Freund geholfen zu haben - ich habe keinerlei Geschäftsinteressen in Israel".

Nicht plausibel

Doch Kommentatoren und politische Rivalen wenden ein, es sei nicht plausibel, dass einem Regierungschef derartige Summen zufließen, ohne dass dafür Gegenleistungen erwartet würden.

Die 1,5 Millionen Dollar sind inzwischen wieder zurückgezahlt worden. Aus Polizeikreisen hieß es am Mittwoch, der Premierminister würde vermutlich vor den Wahlen nicht in dieser Causa verhört werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.1.2003)