Wien - Sieben Jahre lang veranstaltete das renommierte World Economic Forum (WEF) sein europäisches Gipfeltreffen von Spitzenmanagern und Politikern in Salzburg. 2002 könnte bereits das letzte Jahr gewesen sein, sagt der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden. "Ich befürchte, das Forum meint, es sei in Salzburg nicht mehr willkommen", sagt Schaden im Gespräch mit dem STANDARD.

Verantwortlich dafür wären Äußerungen vor allem von Mitgliedern des Salzburger Wirtschaftsbundes gewesen, die gemeint hätten, das Forum wäre "schlecht für Klein- und Mittelbetriebe. Das ist völlig unverständlich."

Der Salzburger Wirtschaftsbund reagiert auf die Vorwürfe gelassen: "Wir haben nur darauf hingewiesen, dass Klein- und Mittelbetriebe als Rückrat der Wirtschaft mehr Platz in der Veranstaltung bekommen müssen, nicht nur die ganz großen Unternehmen", reagiert Wirtschaftsbunddirektor Franz Riedl auf den Vorhalt. "Es gibt keinen Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben." Die Veranstalter des WEF geben ihre Pläne noch nicht preis. "Kein Kommentar", meint ein Sprecher. Mehr hat auch der Salzburger Bürgermeister noch nicht erfahren.

Keine Buchungen

Einige gewichtige Indizien sprechen dafür, dass das Forum statt in Salzburg heuer einer anderen Stadt - etwa Berlin oder Prag - stattfinden wird. So wurden in den Jahren davor bereits im Dezember Hotels, das Kongresshaus und der notwendige Polizeischutz für Teilnehmer gebucht - diesen Dezember gab es keine Reservierungen.

Der Schaden, der Salzburg durch eine Abwanderung entstehen könnte, sei vor allem im Bereich des Images, meint Bürgermeister Heinz Schaden: "Immerhin sind wir der zweitgrößte Kongressstandort Österreichs." Die Salzburger Tourismusgesellschaft schätzt "einige Millionen Euro" die durch die Tagung ins Land kommen: Hotels, Taxis, Restaurants profitieren davon. Im Schnitt lässt jeder Kongressteilnehmer 364 Euro pro Tag in Salzburg. (Michael Moravec, DER STANDARD, Printausgabe 9.1.2002)