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Barbara Prammer
Foto: REUTERS/ROBERT ZOLLES

Standard: Die SPÖ war vor dem Gespräch skeptisch. Was hat den Umschwung bewirkt? Prammer: Ich weiß nicht, ob man das als Umschwung bezeichnen kann. Die Sache ist heikel, besonders für uns. Es macht Sinn, in manchen Bereichen in die Vertiefung zu gehen - sozusagen abzuklopfen, wo die Standpunkte im Detail sind. Das Papier der ÖVP besteht in weiten Bereichen nur aus Überschriften.

Standard: Über diese Überschriften war die SPÖ empört.

Prammer: Heute hat sich herausgestellt, die ÖVP meint es teils doch anders. Es gibt genug Bruchlinien, die Abfangjäger-Frage etwa ist nach wie vor das härteste Stück. Aber es ist genug da, wo man inhaltlich vertiefen muss, um ein Resümee zu haben. Dann muss die Entscheidung fallen, bei uns und bei der ÖVP.

Standard: Wie groß ist die Chance auf Schwarz-Rot?

Prammer: Es wird eine schwere Entscheidung für uns. Trotz der vereinbarten Detailgespräche bleibt der Vorbehalt und die große Skepsis aufrecht. Die ÖVP tut sich leichter, nachdem ihr die FPÖ alle Zugeständnisse macht. Aber das soll uns nicht ins Bockshorn jagen. Wenn die ÖVP eine Koalition zum Nulltarif haben will, dann muss sie mit der FPÖ regieren. Dann geht sie allerdings auch das Risiko ein, dass es in einem Jahr Neuwahlen gibt.

Eine g'mahde Wies'n ist es sicher nicht für Schwarz-Rot. Was mir am meisten im Magen liegt, ist, wie kann zu dieser Partei Vertrauen gebildet werden. Tatsache ist, dass genau dieses Vertrauen nicht da ist.

Standard: Daran hat das Gespräch nichts geändert?

Prammer: Das wird sich bis zum Schluss nicht ändern. Würde es zur Regierungsbildung kommen, könnte man vielleicht einen Strich drunter machen. Bis dahin bleibt dieses Misstrauen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 9.1.2003)