Mit dem Plan, die Ölförderung kräftig anzukurbeln, versucht Saudi-Arabien offenbar, die angeknacksten Beziehungen zu Washington zu verbessern. Mehr Öl soll den Ärger darüber vertreiben, dass Washington die saudischen US-Basen für einen Angriff auf den Irak nicht nutzen darf. Können die Saudis die Opec zum Aufdrehen der Hähne animieren, fallen die Preise. Nebeneffekt: Der Krieg wird billiger.

Für die erfolgreiche Abwicklung dieses politischen Gegengeschäfts bleibt nur wenig Zeit. Daher kommen die Opec-Minister schon kommenden Sonntag in Wien zu einem Sondertreffen zusammen. Sie gehen wohl davon aus, dass der Ölpreis ohne erhöhte Förderung noch länger über dem selbst gesteckten Ziel von 28 Dollar je Fass bleiben würde. Kommt die Erhöhung nicht sehr rasch, droht der Deal zu versanden. Schließlich dauert der Transport per Öltanker in die USA rund vier Wochen.

Die äußeren Bedingungen begünstigen derzeit die Saudis, weil die USA massiv vom Lieferausfall durch die Streiks in Venezuela betroffen sind. Würde Venezuela normal produzieren, hätte das Offert der Saudis nur wenig Charme. Für die Versorgungssicherung ist mehr Öl allerdings nicht nötig. Im Kriegsfall können die USA und die EU ihre strategischen Reserven angreifen, wie dies zuletzt im Golfkrieg 1990/91 geschehen ist.

Die militärische Eskalation verdeckt, dass ein Aufdrehen der Ölhähne ökonomisch nicht gerechtfertigt ist. Weil die weltweite Konjunktur stottert, stagniert auch die Nachfrage. Schon jetzt kommt mehr Öl auf den Markt, als benötigt wird. Den Preis für das politische Gegengeschäft müssen alle Förderländer zahlen, denn eine Ölschwemme würde auch die Erlöse von Nicht-Opec-Ländern wie Norwegen, Russland oder Mexiko verringern. Für Washington wohl nur ein Kollateralschaden. (DER STANDARD, Printausgabe 9.1.2002)