Seattle - Das Weltraumteleskop Hubble hat eine Galaxien-Ansammlung als "Zoom" benutzt und so den Blick auf dahinter liegende Sternensysteme freigegeben. Diese Technik eröffne der Wissenschaft ein neues Fenster zum Kosmos, erklärte die US-Raumfahrtbehörde NASA am Dienstag. Über seine ACS-Kamera (Advanced Camera for Surveys) habe Hubble 13 Stunden lang Bilder von Galaxien geliefert, die nach Einschätzung von US-Astronomen mehr als 13 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt liegen könnten.

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Das Weltraumteleskop habe sich dabei einer "Gravitationsoptik" bedient. Hubble habe die Schwerkraft des massiven Galaxien-Haufens Abell 1689 ausgenutzt. Diese habe wie ein natürlicher Spiegel von einem Durchmesser von zwei Millionen Lichtjahren gewirkt, der das Licht der dahinter liegenden Galaxien zurückgeworfen habe, erläuterten US-Forscher auf dem Kongress der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Seattle im US-Bundesstaat Washington.

Das Ende des "Dunklen Zeitalters"

"Mit dem Hubble-Teleskop können wir künftig bis zu jenem Zeitalter zurückblicken, in dem die Sterne und jungen Glaxien in bedeutender Zahl zu leuchten begannen", sagte Wissenschafter Haojing Yan von der Universität Arizona. Diese rund 13 Milliarden Lichtjahre entfernten Sterne markierten das Ende des "Dunklen Zeitalters", das bis etwa eine Milliarde Jahre nach dem Urknall andauerte.

Nach den gängigen Theorien begann die Welt mit dem Urknall vor etwa 14 bis 16 Milliarden Jahren. Danach dehnte sich das Universum aus und kühlte ab, was rund eine halbe Milliarde Jahre dauerte. Während der nächsten 500 Millionen Jahre sammelte sich das abgekühlte Gas zu ersten Galaxien. Diese Zeit, in der das Licht von dem neutralen Gas weitgehend absorbiert wurde, nennen die Astronomen das "Dunkle Zeitalter". Es endete, als das Gas vom Licht der entstehenden Galaxien erneut ionisierte wurde. Fortan konnte ultraviolette Strahlung entstehen.

Die Hochleistungskamera ACS kann noch das Licht von sehr schwach leuchtenden Himmelkörper einfangen. Bei diesen Sternen könnte es sich den Astronomen zufolge um Galaxien handeln, die entstanden, als das Universum sieben Mal kleiner war als heute - vorausgesetzt die Theorie der Ausdehnung des Universums stimmt. Die mit der Hubble-Kamera eingefangenen Bilder seien aber erst die berühmte Spitze des Eisbergs. Die Forscher setzen große Hoffnungen in das um vieles leistungsfähigere Nachfolge-Teleskop James Webb, das Hubble im Jahr 2010 ersetzen soll. (APA)