Wien - Die in Österreich nun diskutierte Ruhestandsform der Frühpension ist noch in zehn anderen EU-Staaten möglich. Nur Irland, die Niederlande, Großbritannien und Frankreich sehen diese Form der vorzeitigen Alterspension nicht vor. In Dänemark kann man ab 50 in die Frühpension wechseln, in Portugal ab 55 und in Luxemburg und Italien ab 57 Jahren (in Österreich ab 56,5 für Frauen und 61,5 Jahren für Männer).

Das gesetzliche Pensionsantrittsalter liegt in neun EU-Staaten für Frauen und Männer bei 65 Jahren. Ein niedrigeres Antrittsalter für Frauen (60, 62 oder 63 Jahre) weisen neben Österreich noch vier Länder der EU auf. Mit Ausnahme Italiens liegen aber Pläne für eine Anhebung oder Gleichstellung mit dem Antrittsalter für Männer vor.

So auch in Österreich: Hier ist verfassungsrechtlich verankert, dass die Angleichung des Frauenpensionsalters an jenes der Männer (65 Jahre) in Schritten ab 2019 beginnt und 2033 endet. Nun reiht sich auch der deutsche Pensionsexperte Bernd Rürup in die Reihe derer ein, die eine schnellere Anhebung fordern.

Dem widerspricht ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits: "Ausgangspunkt für die verfassungsrechtliche Verankerung des niedrigeren Pensionsalters der Frauen im Jahr 1992 war, dass vor der Angleichung des Pensionsalters die Chancengleichheit der Frauen in der Arbeitswelt verwirklicht werden soll. Die Gleichstellung der Frauen ist aber noch nicht erreicht - es gibt also keinen Grund, das Pensionsalter der Frauen vorzeitig anzuheben."

Allerdings plädiert auch Pensionsexperte Alois Guger vom Wirtschaftsforschungsinstitut dafür, mit der Abgleichung "schon etwas früher" zu beginnen - und zwar auch aus arbeitsmarktpolitischen Gründen: "Wir werden die Frauen auf dem Arbeitsmarkt brauche." Für wichtig hält er aber auch eine eigenständige Frauenpension mit einer "klaren" Regelung der Ersatzzeiten: "Man kann nicht in der Familienpolitik Maßnahmen beschließen, die dann das Pensionssystem belasten." (eli/DER STANDARD, Printausgabe, 9.1.2003)