London - Großbritannien hat die USA laut einem britischen Zeitungsbericht um Aufschub eines Angriffs auf Irak gebeten, um den UN-Inspektoren mehr Zeit für eine Überprüfung des irakischen Waffenprogramms zu geben. Der Herbst sei für einen Militäreinsatz ebenso geeignet wie das Frühjahr, zitierte der "Daily Telegraph" in seiner Donnerstagsausgabe einen hochrangigen Regierungsvertreter. Trotz des Aufmarsches am Golf sei man in der Londoner Regierung der Auffassung, dass es noch keine klare rechtliche Grundlage für einen Militäreinsatz gegen Bagdad gebe.

Hoffen auf UN-Zustimmung

Hochrangige Diplomaten versuchten derzeit, die Regierung davon zu überzeugen, dass die Chancen auf Zustimmung der UNO zu einem Militäreinsatz besser sein, wenn die UN-Inspektoren noch Zeit hätten, Bagdad Verstöße gegen die Entwaffnungs-Resolution 1441 des UN-Sicherheitsrates nachzuweisen.

Der britische Außenminister Jack Straw hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, den UN-Inspektoren dürfe keine zeitliche Grenze bei ihrer Arbeit gesetzt werden. Die Tageszeitung "The Guardian" berichtete am Donnerstag, bis zu 100 Abgeordnete könnten sich gegen die Regierung auflehnen und Regierungsvertreter zurücktreten, sollte es zu einem Irak-Krieg ohne Deckung der UNO kommen.

Die UN-Inspektoren planen nach einem Bericht des "Time Magazine", irakische Wissenschaftler ab kommender Woche auf Zypern zum irakischen Waffenprogramm zu befragen. Die UN-Kontrollmission UNMOVIC wolle Wissenschaftler, die mit dem irakischen Waffenprogramm befasst oder befasst gewesen seien, auf die Mittelmeerinsel einladen. Zum Schutz vor Einschüchterungen können irakische Wissenschaftler nach der UN-Resolution 1441 außer Landes gebracht werden. (APA/AFP)