Die Reise in den Süden beginnt diesen Sommer im Kleiderschrank. Zumindest vereinen sich die Farben aus dem Hause Benetton in der Kollektion für Frühjahr / Sommer 2003 auf Trendlinien, die von Saint Tropez über Capri bis nach Afrika führen. Die Italiener propagieren einen kleidsamen Tapetenwechsel Richtung Süden, Sonne, Strand oder Steppe in einer Farbpalette, der selbst die Klimakatastrophe keinen schalen Anstrich verleihen kann.

Die französischen Grundfarben Blau, Weiß und Rot dominieren die legeren Kombinationen, die sowohl dem urbanen Boulevard als auch der mediterranen Riviera stehen. Weit geschnittene Hosen werden zu trägerlosen Tops oder engen Trikots getragen. Für den Glamourfaktor am Rande sorgen bei diesem Thema Accessoires wie mit Strandmotiven bestickte Handtascherln, zarte Holzpantoffeln und Strohhüte. Weniger mondäne Gemüter zieht die afrikanische Savanne an, deren Farbpalette Anreiz für eine Rückbesinnung auf die Natur liefert. Die Versöhnung mit Mutter Erde findet in warmen Orangetönen, Weinrot und Kupfer sowie über natürliche Materialien wie Leder, Baumwolle und indisches Leinen statt. Rüschenbesetzte Säume, breit gestreifte Hosen, große Blumenprints, Häkeltops und florale Drucke auf transparenten Röcken und Blusen lösen die romantische Naturvorstellung für das Jahr 2003 ein.

Das Handwerkliche und Unfertige zelebriert das Thema mit grob gewebten Tüchern, weichen Chiffonschals mit aufgenähten Stoffstreifen, ausgefransten Nähten und geflochtenen Ledergürteln. Daneben rangieren noch zwei Mode-Evergreens in neuen Interpretationen. Das Thema Black and White akzentuiert maskuline Standards wie Hosenanzüge mit femininen Elementen wie Spitzentops. Raffiniert geschnittene Röcke lockern mit zipfeligen Längen die strenge Linie auf. Der obligatorische Denim kommt bei Hosen, Röcken und Minis gefärbt, gebleicht, verschmutzt und in sauberem Tiefblau zum Einsatz. Verführerisch romantisiert bleibt in diesem Sommer auch das College-Thema angesagt. Knappe Strickpullis werden zu Hotpants getragen, Blousons mit Aufdrucken zu Bermudas, die knapp über das Knie gehen. Als Grundfarben dominieren Weiß und Rot.

Der Männerwelt gestehen die United Colors nur ein eher eingeschränktes Farbspektrum zu. Seriöse und gedeckte Grau- und Brauntöne beherrschen sowohl klassische Nadelstreifanzüge als auch Parkas und Hemden. Daneben stehen Weiß und Blau für sportliche Hemd-Blazer-Kombinationen zur Auswahl.

Das Trendlabel Sisley stellt die freche Interpretation der Grande Dame in den Vordergrund. Der züchtige Kurzmantel aus Waffelpiqué erinnert an Stil-Ikone Katherine Hepburn, darunter blitzt allerdings ein ultrakurzer Mini hervor. Unschuldige Sorbetfarben haben anno 2003 als Signal für das brave Mädchen aus den 50er-Jahren ausgedient. Die zarten Töne sind heutzutage für sexy Röcke bis zum Knie, Caprihosen und knappe Tops vorgesehen. Bei den fließenden Silhouetten für lange Röcke und Hosen sind Details wie schiefe Säume, gewagte Schlitze und Abnäher an Hosenbeinen wichtig.

Übertragen auf ein romantisches Thema bedeutet der Blick für Kleinigkeiten Blümchenprints in Rot und Rosa oder Cocktailkleidchen im Lingerie-Stil mit gezackten Ziersäumen am Ausschnitt, Seidenbändchen und gezogenen Nähten, die feminine Formen betonen. Metallische Brauntöne, Wildleder und großmaschige Strickpullis bestimmen das zweite große Thema der Sisley-Kollektion. Röcke und Kleider aus Musselin und Popeline atmen Wildnis und Pionier-Spirit.

Von "ganzer Kerl" bis "stilbewusster Dandy" reicht die sommerliche Definition für den Herrn. Geradlinig geschnittene Anzüge treffen bei Sisley auf bunte Anleihen aus der sportlichen Ecke. Baseballblousons, karierte Krickethosen und mit einer ausreichenden Dichte an Reißverschlüssen versehene Motorradjacken zählen zu den maskulinen Must-Haves.

"The Hip Site" - das jüngste Label des Strickkonzerns proklamiert den Edelpunk für die jugendliche Zielgruppe. Nach außen gestülpte Nähte, fransige Säume und bedruckte T-Shirts mit Lolitamotiven, gediegene Plastikjacken und bemalte Jeans stellen die italienische Antwort auf einen schwedischen Megafilialisten dar, der momentan in der Hauptsache Teens und Twens einkleidet. (DER STANDARD/rondo/Gabriela Hartig/10/1/03)