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Hier war die Welt von Helmut Thoma (li) und Gerhard Schmid noch einigermaßen in Ordnung.

foto: reuters/CHARISIUS

Büdelsdorf/Kiel - Die Mobilfunk-Firma MobilCom kommt nicht zur Ruhe. Firmengründer und Großaktionär Gerhard Schmid hat den ehemaligen RTL-Chef Helmut Thoma überraschend als Treuhänder für seine Aktien vor die Tür gesetzt und stattdessen den prominenten Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert benannt. Ob Schmid dazu berechtigt ist, blieb am Donnerstag zunächst unklar.

Thoma betrachtet die Kündigung als unwirksam und sieht sich nach wie vor im Amt. Zudem hat die Kieler Staatsanwaltschaft ein Vorermittlungsverfahren gegen Schmid und seine Ehefrau Sybille Schmid-Sindram wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit einem umstrittenen Aktien-Optionsgeschäft eingeleitet.

MobilCom war im November vergangenen Jahres nach einer monatelangen Zitterpartie vor der Insolvenz gerettet worden. Großaktionär France Telecom verzichtete dafür auf Milliardenbeträge, machte aber gleichzeitig zur Bedingung, dass Schmid keinen Einfluss mehr bei MobilCom ausüben dürfe und seine Aktien an einen Treuhänder übergeben müsse. Die Person des Treuhänders war bis zuletzt strittig; am Ende einigten sich alle Beteiligten als Kompromiss auf MobilCom-Aufsichtsrat Thoma.

Der Vertrag zwischen Schmid und Thoma sei "aus wichtigem Grund" gekündigt worden, sagte eine Schmid-Sprecherin in Frankfurt. Die bisher erreichten Fortschritte bei der Sanierung von MobilCom seien nicht ausreichend. Mit dem erfahrenen Treuhänder und Sanierer Gellert werde zusätzlicher Sachverstand für MobilCom gewonnen. Gellert sei auch bereit, gemeinschaftlich mit dem bisherigen Treuhänder Thoma die Aufgaben zu übernehmen. Die Vertragsbedingungen sollen unverändert gelten. "Wir sind zuversichtlich, dass diese Lösung von allen Beteiligten akzeptiert wird", erklärten Schmid und seine Frau.

Dagegen versicherte Thoma, dass kein Kündigungsgrund vorliege. "Ich habe mitgeteilt, dass ich die Kündigung als unwirksam betrachte." Die Einigung auf ihn als Treuhänder sei eine der Voraussetzungen für die MobilCom-Rettung gewesen und könne von Schmid nicht einseitig verändert werden. Er könne sich nicht von dieser Aufgabe zurückziehen, weil andernfalls der gesamte Rettungs- und Sanierungsplan für MobilCom ins Rutschen geraten würde. Das Angebot Schmids, dass er gemeinsam mit Gellert die Aufgabe des Treuhänders wahrnehmen könne, zeige ihm, dass der MobilCom-Gründer die Kündigung offenbar selbst nicht ernst nehme.

Hinter dem Manöver des ehemaligen MobilCom-Chefs verbirgt sich ein tiefes Misstrauen gegen den amtierenden MobilCom-Vorstand Thorsten Grenz, dem Schmid die Sanierung des Mobilfunk-Anbieters nicht zutraut. Der Aufsichtsrat hat jedoch auf seiner Sitzung am 23. Dezember beschlossen, Grenz mindestens bis zur außerordentlichen Hauptversammlung am 27. Jänner im Amt zu lassen. Dann müssen die Aktionäre über das Rettungspaket und den Sanierungsplan abstimmen. Der Schmid-Treuhänder hat mit 42,4 Prozent der Aktien hier den entscheidenden Einfluss.

Weder MobilCom noch France Telecom wollten den Schritt Schmids am Donnerstag offiziell kommentieren. Die Franzosen, die genug eigene Probleme haben, sehen die Kündigung des Treuhändervertrags offenbar als eine Angelegenheit zwischen Thoma und Schmid. Schmids Sprecherin erklärte, dass die Person des Treuhänders in den umfangreichen Vertragswerken nirgendwo festgeschrieben sei. Der eigentliche Treuhändervertrag sei nur zwischen den Eheleuten Schmid und Thoma abgeschlossen.

Unterdessen rückt ein umstrittenes Aktion-Optionsprogramm aus dem vergangenen Jahr verstärkt ins Blickfeld der Justiz. Schmid hatte noch als Vorstandsvorsitzender mit der Firma Millennium seiner Ehefrau ein Aktien-Optionsgeschäft abgeschlossen, das zu einer Zahlung von 71 Mio. Euro führte. Die Kieler Staatsanwaltschaft hat deshalb ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. "Es geht um einen Anfangsverdacht unter dem rechtlichen Gesichtspunkt der Untreue", sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick. Weitere Erklärungen gebe er derzeit nicht ab. (APA/dpa)